5. Leipziger Forum Gesundheitswirtschaft am 08. Oktober 2009

Das 5. Leipziger Branchentreffpunkt "Forum Gesundheitswirtschaft" fand am 8. Oktober 2009 in der BIO CITY Leipzig statt. Die Gesundheit als eines der wichtigsten Zukunftsthemen spielt in der mitteldeutschen Region eine wesentliche Rolle. In Zukunft werden die Therapien individueller auf die Patienten ausgerichtet - Stichwort personalisierte Medizin.

Durch Fortschritte in der Forschung werden die Leistungserbringer die Bedürfnisse und die Behandlungsabläufe der Patienten immer mehr in Einklang bringen können. Im nunmehr fünften Jahr organisierte der Verein zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig (VFG) am 8. Oktober 2009 in der BIO CITY Leipzig den Branchentreffpunkt "Forum Gesundheitswirtschaft", bei dem die neuesten Trends im Bereich der individualisierten Medizin vorgestellt und diskutiert wurden.

Nach Grußworten des Leiters des Fraunhofer Institutes für Zelltherapie und Immunologie und Direktors des Institutes für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig sowie Vorsitzenden des VFG, Prof. Dr. med. Frank Emmrich und dem Leiter der Geschäftsstelle des Vereins referierte die Sächsische Staatsministerin für Soziales, Christine Clauß, über die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung in Sachsen und erinnerte zunächst an das Erreichte. Die meisten Krankenhäuser hätten sich in den Jahren 1989/90 in einem desolaten Zustand befunden. Stationen mit veralteter medizinischer Ausstattung sowie Zimmer mit bis zu 10 Betten seien keine Ausnahme gewesen. Heute präsentierten sich die sächsischen Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen mit insgesamt über 34.000 Betten nach einem vom Bund, den Krankenkassen und dem Freistaat Sachsen zur Verfügung gestellten Investitionsvolumen von über € 4,6 Mrd. auf hohem Niveau. Die verbesserte Gesundheitsversorgung habe die Lebensqualität gesteigert und zu einer messbar gestiegenen Lebenserwartung geführt. In der Zukunft sei es die größte Herausforderung, die Folgen der demographischen Entwicklung zu meistern. In den kommenden zwanzig Jahren würde sich die Bevölkerung in Sachsen um mehr als eine halbe Million Menschen verringern. Hinzu komme die Veränderung der Altersstruktur. Einerseits werde der Anteil der Erwerbsfähigen um 10 Prozent schrumpfen. Demgegenüber werde der Anteil der über 65-jährigen um 11 Prozent steigen und ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Der Anteil der Hochbetagten über 80 Jährigen würde bereits in den kommenden 12 Jahren um mehr als 50 % auf ca. 370.000 steigen. Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen würde deshalb schon morbiditätsbedingt trotz des Bevölkerungsrückgangs deutlich ansteigen und damit zwangsläufig auch zu höheren Personal- und Sachkosten in der Gesundheitswirtschaft führen. Demgegenüber sei der Spielraum eines Ausgleichs durch Erhöhungen der Beitragssätze begrenzt. Daher spreche vieles dafür, dass sich der Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern mit dem zunehmenden Bedarf an Gesundheitsleistungen verstärke. Die bisherige Trennung zwischen ambulanten und stationären Leistungen würde sich in räumlicher, organisatorischer und personeller Hinsicht zugunsten indikationsbezogener integrierter Programme auflösen. Vor allem aber müsse dem sich in den ländlichen Regionen bereits abzeichnenden Ärztemangel begegnet werden - dies sei auch eine politische Herausforderung. Umso erfreulicher sei es, dass sich die Selbstverwaltungen von Ärzten und Krankenkassen geeinigt hätten, ab 2009 mindestens € 2,5 Mrd. zusätzlich für die ambulante Versorgung zur Verfügung zu stellen.

Wie zufrieden sind die Sachsen eigentlich mit ihrem Gesundheitssystem und was leistet das System? Das Ernst & Young Gesundheitsbarometer 2009 gibt hierzu Auskunft und wurde vorgestellt von Peter Lennartz, Partner der Ernst & Young GmbH. Die Studie ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung zur Qualität der Gesundheitsversorgung durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut. Danach sind 85 Prozent der Sachsen insgesamt zufrieden mit der Gesundheitsversorgung. In puncto Behandlungserfolg und Diagnostik schneiden die praktischen Ärzte am Besten ab. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei der technischen Ausstattung: Krankenhäuser erhielten hier die besten Noten, gefolgt von den Fachärzten. Die Hausärzte genießen allerdings das größte Vertrauen - ihre Arbeit wird im Hinblick auf Beratung, Freundlichkeit und Behandlung besser bewertet als die von Fach- und Klinikärzten. Allerdings zeige die Studie auch, dass privat Versicherte zufriedener sind - ein besonders eklatanter Unterschied zu den gesetzlich Versicherten habe sich beim Faktor "Wartezeit" ergeben. Auf die Frage, ob sich die Qualität der gesundheitlichen Versorgung in den vergangenen Jahren verändert habe, war die Stimmung der Sachsen bundesweit am positivsten - 67 Prozent meinten, die Versorgung sei gleich geblieben oder sogar besser geworden.

Mit seinem Beitrag "Patientenorientierung im Versorgungsmanagement der Krankenkassen" referierte Dr. med. Torsten Hecke, Leiter des Projektes "Medizinische Versorgungszentren" der Techniker Krankenkasse Hamburg. Der Patient als Partner des Arztes im medizinischen Entscheidungsprozess - in zehn vom BMG geförderten Projekten sei erprobt worden, wie dies über neue Behandlungsmodelle realisiert werden könnte. Dr. Hecke stellte den Prozess der Entwicklung von Versorgungsangeboten am Beispiel des zwischenzeitlich umgesetzten Konzeptes der Medizinischen Versorgungszentren der TK vor. Die Bedürfnisse seien jahrelang in einem "Trendmonitor" zusammengefasst und die Patienten damit in die Entwicklung einbezogen worden. Das Ergebnis sei eine Behandlung auf hohem medizinischen Niveau. Auch im Leipziger Versorgungszentrum steuere heute eine zentrale Einheit die Betreuung der Patienten sowie alle Termine bei verschiedenen Fachärzten mit maximal dreißigminütiger Wartezeit. Mit dem „TK-Patientendialog“ sei zudem ein interaktives Medium für die Patienten zur Vorbereitung auf den Arztbesuch im MVZ entwickelt worden.

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V., Dr. Gösta Heelemann, stellte mit seinem Beitrag "Krankenhäuser im Wandel" die strukturellen Veränderungen in der Krankenhauslandschaft nach der Einführung des DRG-Abrechnungssystems vor. Hierdurch wurden die bislang individuell verhandelten Pflegesätze zunächst durch klinikspezifische, bis 2009 jedoch bundesweit einheitliche diagnoseabhängige Pauschalvergütungen für die Behandlungsfälle ersetzt. Kliniken mit niedrigen Betriebskosten und höherer Produktivität kämen damit besser zurecht. Durch den sich zunehmend verschärfenden Qualitäts- und Leistungswettbewerb unter den Häusern sei die durchschnittliche Verweildauer der Patienten von ca. 13 auf nur noch ca. 8 Tage gesunken und die Bettenkapazitäten seien seit 1990 kontinuierlich um mehr als 26 % abgebaut worden. Dennoch hätten die Krankenhäuser zu kämpfen, um kostendeckend zu wirtschaften. Eine Folge des Strukturwandels sei auch der rasante Anstieg der privaten Leistungserbringer. In der Zeit von 1996 bis 2007 sei die Zahl der privat betriebenen Häuser um ca. 42 % gestiegen, heute sei damit jede dritte Klinik in privater Trägerschaft.

LIFE steht für "Leipziger Interdisziplinärer Forschungskomplex zu molekularen Ursachen umwelt- und lebensstilassoziierter Erkrankungen" und wurde von Prof. Dr. med. Joachim Thiery, Inhaber der Professur für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik des Universitätsklinikums Leipzig AöR und Leiter des Projekts vorgestellt, das im Sächsischen Landesexzellenzwettbewerb der Universitäten den Sprung an die Spitze geschafft hat. Im Mittelpunkt des Forschungsprogramms stehe die Frage, welche Rolle Gene, Umwelt und Lebensstil für die individuelle Ausprägung der Volkskrankheiten spielen. Atherosklerose mit Herzinfarkt und Schlaganfall, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus, Demenz und Depression, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Kopf- und Halstumore sowie Allergien seien für über 60 % aller Todesfälle und Erkrankungen verantwortlich. Mit modernster Spitzentechnologie würden die molekularen Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten durch Kombination von Kohortenstudien, Analytik, Funktionsaufklärung und wirtschaftlicher Verwertung erforscht. Rund 10.000 Erwachsene und 5.000 Kinder würden umfassend untersucht und parallel Krankheitsgruppen der LIFE-Krankheiten mit 17.000 Patienten aufgebaut. Die vergleichenden Untersuchungen würden entscheidende Hinweise auf die Zivilisationskrankheiten bedingenden Zielmoleküle geben. Bereits 2012 sollen erste klinisch anwendbare Ergebnisse des Forschungsprogramms vorliegen. Der Leipziger LIFE-Verbund würde damit zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen in der Diagnostik und Therapie der Volkskrankheiten führen.

Die Firma Merck beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Biomarker und stratifizierte Medizin. Dr. Andreas Kovar, Vice Präsident der Merck KGaA und Leiter Global Exploratory Medicine, stellte das Thema "Personalisierte Medizin" aus Unternehmenssicht vor. Die Wirkung vieler Medikamente variiere von Mensch zu Mensch, bereits geringe Abweichungen im Erbgut beeinflussten die Wirkung von Medikamenten. Was den einen heile, versage bei anderen. Therapien sollten daher dem Genprofil des Patienten angepasst werden - die Gendiagnostik sei ein Zukunftsmarkt und biete die Chance der Kostensenkung bei der Wirkstoffentwicklung sowie der Erschließung neuer Therapieprinzipien. Bei der biomarkerbasierten Stratifizierung beruhe die angestrebte Individualisierung der therapeutischen Intervention vor allem auf einer Unterteilung der Patientenpopulation in klinisch relevante Untergruppen, etwa in Gruppen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko oder mit gutem Ansprechen auf eine bestimmte Therapie. Inzwischen gebe es auch erste Erfolge in der Krebstherapie. Zentrale Studien mit Erbitux zeigten bei metastasiertem Kolorektalkarzinom, dass bei Patienten, die keine Mutationen des sogenannten KRAS-Gens aufwiesen, die Chance höher sei, Metastasen des Tumors zu verkleinern, als bei Patienten mit Mutation. Auch für Lungenkrebspatienten sei der Nutzen des personalisierten Therapieansatzes von Erbitux nachgewiesen worden.

Im letzten Beitrag "Nach der Reform ist vor der Reform? Perspektiven im Gesundheitssystem" stellte Uta Engelhardt, Referentin für Politik bei der Deutschen BKK, Optionen nach der Gesundheitsreform mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahlen sowie die 2010 den Krankenkassen voraussichtlich fehlenden € 7,45 Mrd. vor. Sie prognostizierte Zusatzbeiträge bei jeder zweiten Kasse. Der Kostendruck und der hiermit verbundene Trend zur Fusion werde anhalten. Habe es im Jahr 1970 noch 1815 Krankenkassen gegeben, seien es heute noch 184. Mittelfristig solle der lohnbezogene Arbeitgeberanteil dennoch auf derzeitigem Niveau eingefroren werden. Kollektivverträge müssten durch Einzelverträge mit den Leistungserbringern ergänzt werden. Außerdem seien Korrekturen beim morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich durch unterschiedliche demographische Entwicklungen der Regionen erforderlich. Mittelfristig sei jedoch auch eine Absenkung des GKV-Leistungskatalogs im Hinblick auf Krankengeld, Zahnersatz sowie bei erlittenen Unfällen eine Option.

Große Erfolge der Universitätsmedizin Leipzig in Krankenversorgung und Wissenschaft

Auf ihrem gemeinsamen Neujahrsempfang werteten der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig und der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig das Jahr 2008 als ein erfolgreiches Jahr für die Universitätsmedizin Leipzig. Klinikum und Fakultät sehen sich auf einem guten Weg hin zum Ziel, bis 2012 in die Spitzengruppe der deutschen Universitätsmedizinstandorte aufzusteigen. Dank des Engagements aller Mitarbeiter konnten die Leistungen im DRG-Bereich gegenüber dem Vorjahr um fast 4,6 Prozent auf rund 68.220 Bewertungsrelationen gesteigert werden.

Der Schweregrad der behandelten Fälle (CMI) stieg von 1,423 im Vorjahr auf 1,442. Trotz höherer Fallschwere sank die Verweildauer auf jetzt 7,62 Tage. Positiv sei auch die Entwicklung der stationären und ambulanten Fallzahl verlaufen, so dass der Vorstand des Universitätsklinikums davon ausgeht, dass sowohl das geplante ordentliche Betriebsergebnis in Höhe von 3,6 Mio. Euro als auch das erzielte ordentliche Betriebsergebnis von 2007 in Höhe von 3,94 Mio. Euro überschritten werden. Die Medizinische Fakultät hat 2008 mit Spitzenpublikationen und hochrangigen Forschungseinwerbungen national und international die Attraktivität der Leipziger Universitätsmedizin für Spitzenforscher und Studierende erheblich gesteigert.

Allein durch Drittmitteleinwerbungen von rund 28 Mio. Euro werden zusätzlich 400 Arbeitsplätze in der Forschung finanziert. Die gewachsene wissenschaftliche Kompetenz und enge Kooperation von Universität, medizinischer Fakultät und Universitätsklinikum haben 2008 wesentlich zu dem herausragenden Erfolg in der Einwerbung des Forschungsclusters „LIFE" (Leipziger interdisziplinäres Forschungskomplex zu molekularen Ursachen lebensstil-assoziierter Erkrankungen) im Rahmen der Sächsischen Landesexzellenzinitiative beigetragen. Dieses größte von der Medizin geführte Projekt der Universität zur bevölkerungsweiten Erforschung von Zivilisationskrankheiten wird ab 2009 für fünf Jahre für 38 Mio. Euro durch den Sächsischen Freistaat und die Europäische Union gefördert werden. Insgesamt habe sich durch abgestimmte Zielsetzung der medizinischen Forschung, der Lehre und der Krankenversorgung die Leipziger Universitätsmedizin in vielen Bereichen bis zu international sichtbaren Spitzenplätzen entwickelt und dem Ziel der medizinischen Exzellenz für den Menschen genähert.

Rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Gesundheitswesen und Kultur aus ganz Mitteldeutschland, unter ihnen Staatsministerin Cristine Clauß als Vertreterin des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, der Leipziger Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht, die Leipziger Finanzbürgermeisterin Bettina Kudla, der Vizepräsident des Bundesverwaltungsgerichtes Leipzig Michael Hund, der Präsident des Sächsischen Landesrechnungshofes Franz-Josef Heigl und die Rektoren der Universität Leipzig, Prof. Dr. Franz Häuser und der HTWK, Prof. Dr. Hubert Milke, waren in das Grassimuseum gekommen, das dem dritten gemeinsam veranstalteten Neujahrsempfang des Universitätsklinikums Leipzig und der Medizinischen Fakultät Leipzig einen würdigen Rahmen gab. Die Vorstände des Klinikums, Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig und Matthias Wokittel, und der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Joachim Thiery, hatten eingeladen, um die Entwicklung der Universitätsmedizin Leipzig zu reflektieren und danach mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Prof. Dr. Fleig nannte als herausragendes Projekt des Jahres 2008 die von Klinikum und Fakultät unter externer Moderation geführte Strategiediskussion, die im Juli 2008 in der Verabschiedung der „Strategie Universitätsmedizin 2012" mündete. „Dieses auf die nächsten vier Jahre angelegte Projekt, wird das ‚Unternehmen' Universitätsmedizin Leipzig grundlegend verändern", gab sich Fleig überzeugt. Man wolle damit die Voraussetzungen in Struktur, Personalentwicklung, Betriebsabläufen Unternehmenskultur und zahlreichen anderen Bereichen schaffen, um die bis 2012 gesteckten großen Ziele erreichen zu können. Fleig wies auch darauf hin, dass die verspätete Verabschiedung des Sächsischen Hochschulgesetzes auch zu einer verspäteten Novellierung des Sächsischen Hochschulmedizingesetzes führe. Damit würden die strukturellen Defizite in der reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Fakultät und Klinikum sowie einige damit verbundene Risiken deutlich verlängert. Er appellierte an die Landtagsabgeordneten, das Gesetzgebungsverfahren unmittelbar nach der Landtagswahl rasch wieder aufzugreifen und abzuschließen.

„Mit 49 260 vollstationären Fällen und rund 554 000 ambulanten Konsultationen ist das Universitätsklinikum Leipzig ein wesentlicher Baustein der medizinischen Versorgung der Region Leipzig", betonte Matthias Wokittel. Die Zahl der ambulanten Konsultationen sei gegenüber 2007 um 7,9 % gestiegen; die Leistungen im Bereich der Einzelermächtigungen stiegen um 21,8 % auf 59 950 Fälle. Die Zahl der Pauschalfälle in den Hochschulambulanzen stieg um 4,3 % auf ca. 175 000 Fälle. Wie im Vorjahr wurden rund 29 500 Notfälle behandelt. Auf Grund dieser Leistungsentwicklung stiegen die Umsatzerlöse aus stationären, ambulanten und Wahlleistungen sowie aus Nutzungsentgelten gegenüber 2007 um 4,4 %, oder mehr als 10,38 Mio. Euro. Wokittel verwies auf die zahlreichen Bauprojekte, die 2008 abgeschlossen werden konnten und dankte dem Freistaat Sachsen für die langjährige und zielgerichtete Investitionsbereitschaft. Den wirtschaftlichen Erfolg, so Wokittel weiter, verdanke man in erster Linie der hohen Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Mit einer freiwilligen Einmalzahlung in Höhe von 1,95 Mio. Euro habe man die Mitarbeiter deshalb daran teilhaben lassen. Außerdem sei man bemüht, auch die sozialen Arbeitsplatzbedingungen zu verbessern. Mit der Inbetriebnahme der Kindertagesstätte „MiniUniVersum", dem Angebot eines Jobtickets und auch der beliebten Weihnachtsfeier unterstreiche man dieses Anliegen. Die aktuelle Gesetzgebung der Bundesregierung, die ohne Not die Konvergenzphase in der DRG-Abrechnung verlängere, die Finanzierung von Mehrleistungen auf den Sachkostenanteil beschränke, den AiP-Zuschlag in den Landesbasisfallwert einrechne und die Lohnnebenkosten erhöhe, koste das Klinikum etwa 4,4 Mio. Euro. Aus dem „3,5-Milliarden-Euro-Topf" werde unterm Strich wohl nichts beim Klinikum ankommen, sondern eher eine zusätzliche Belastung in den Büchern bleiben. Er hoffe, so Wokittel, dass der Freistaat Sachsen im Bundesrat zu diesem Gesetzpaket mit „nein" stimme.

„Wir stehen heute mit Großprojekten in zweistelliger Millionenhöhe jetzt erstmals an der Schwelle, auch mit den größten Wissenschaftszentren Deutschlands nicht nur gleichzuziehen, sondern diesen sogar hier und da einen Schritt voraus zu sein", erklärte Prof. Dr. Joachim Thiery. Dies beruhe wesentlich auf der erfolgreichen Berufungspolitik der letzten Dekanate, und auch das aktuelle Dekanat werde alles dafür tun, diesen Weg der gezielten Schwerpunktstärkung gemeinsam mit dem Universitätsklinikum fortzusetzen. „Wir wollen die besten Köpfe für die Medizin nach Leipzig holen und halten. Dies betrifft auch und ganz besonders den medizinischen Nachwuchs und die technischen und pflegerischen Bereiche." In den letzten Jahren habe man sich im Wesentlichen auf drei Forschungskomplexe konzentriert: die in die Tiefe gehende Erforschung von Zivilisationskrankheiten, Hirnerkrankungen, Tumorkrankheiten. Durch gemeinsame Anstrengungen sei es nicht nur gelungen, umfangreiche Verbundforschungsprogramme anzustoßen, sondern gerade im vergangenen Jahr herausragende Erfolge zu erzielen. Die Förderung der Verbundforschung werde nicht nur die wissenschaftliche Exzellenz der Medizin für den Menschen voranbringen, sondern auch nachhaltig neue Arbeitsplätze in der Medizinischen Versorgung und der Forschung schaffen. Thiery verwies auf zahlreiche von der EU, dem BMBF, der Krebshilfe und anderen Geldgebern geförderte Projekte. Besonders die Einwerbung des Forschungsclusters „LIFE" im Rahmen der Sächsischen Landesexzellenzinitiative sei ein Beweis für die Forschungskompetenz in Leipzig. „Als eines von fünf Projekten landesweit wird dieses medizinische Großprojekt zur Erforschung von Zivilisationskrankheiten ab 2009 mit Mitteln des Freistaats und der Europäischen Union mit 38 Millionen Euro für fünf Jahre gefördert werden", so Thiery. Ziel dieses größten, durch die Medizin geführten Projektes, an dem fünf Fakultäten und außeruniversitäre Forschungsinstitute wie MPI, Fraunhofer und UFZ beteiligt sind, ist die Identifizierung neuer diagnostischer und therapeutischer Zielmoleküle für häufige Volkskrankheiten, die besonders mit dem Lebensstil assoziiert sind. Hierzu zählen Demenz, Depression, Gefäßkrankheit und Herzinfarkt, Adipositas und Diabetes mellitus, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Kopf-Halstumore und Allergien. Durch das LIFE-Forschungsprogramm werden weitere 100 Arbeitsplätze in der Region geschaffen und eine nachhaltige Fokussierung der Medizinischen Forschung für innovative Diagnostik und Therapie lebensstilassoziierte Erkrankungen erreicht.

Vorstand und Dekan sehen ein arbeitsreiches und auf Grund der gesetzlichen Rahmenbedingungen schwer kalkulierbares Jahr 2009 vor der Universitätsmedizin Leipzig. Dank der klar formulierten Strategie und der umfangreichen neu aufzubauenden Forschungsarbeit sei man sich aber sicher, auch 2009 zu einem erfolgreichen Jahr zu machen. Dank galt der Staatsregierung Sachsen für die verlässliche Unterstützung der Leipziger Universitätsmedizin, die, so hofft die Leitung für Klinikum und Fakultät, auch in Zukunft anhalten möge.

Weitere Informationen:

Universitätsklinikum Leipzig AöR
Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Dipl.-Journ. Heiko Leske
Liebigstraße 18
04103 Leipzig
Tel.: 0341 97 15905
Fax: 0341 97 15906
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Web: www.uniklinik-leipzig.de

Klinikneubau ab sofort voll in Betrieb

Mit dem gestrigen Tag haben alle Kliniken und Polikliniken der Inneren Medizin, der Neurologie und der Tagesklinik für kognitive Neurologie im Klinikneubau in der Liebigstraße 20 den Betrieb aufgenommen. Damit geht eine lange Phase der Interimslösungen zu Ende - und nach 25-jähriger Nutzungsdauer auch die „Ära Bettenhaus“. Dort sind momentan nur noch die urologisch-gynäkologiosche Station, eine Station der Hämatologie und eine Station der Orthopädie sowie die Dialyse-Einheit ansässig, die aber in den nächsten Wochen auch umziehen werden.

Der Umzug in das neu errichtete Zentrum für Innere Medizin, Neurologie und Nuklearmedizin verlief insgesamt komplikationslos. Ab sofort sind folgende Kliniken und Abteilungen dort ansässig:

  • Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie
  • Klinik für Endokrinologie und Nephrologie
  • Abteilung für Angiologie und Kardiologie
  • Abteilung für Pneumologie
  • Abteilung für Hämatologie und Onkologie
  • internistische Intensivmedizin
  • Klinik und Poliklinik für Neurologie
  • die Stabsstelle für Physikalische Therapie und Rehabilitation

Die Tagesklinik für kognitive Neurologie ist bereits Ende Dezember in den westlichen Teil des Neubaus, die Liebigstraße 16, eingezogen.

Die Inbetriebnahme des neuen Zentrums für Innere Medizin, Neurologie und Nuklearmedizin bedeutet auch den Abschied vom Bettenhaus. 1982/83 als einziger Klinikneubau am Universitätsklinikum während der DDR-Zeit errichtet, hat es nach 25-jähriger Nutzungsdauer ausgedient. So modern das Bettenhaus vor 25 Jahren sein mochte - selbst mit großem Aufwand wäre es heute nicht mehr zu einem modernen Klinikgebäude umzubauen gewesen.

Sobald die letzten Stationen aus dem Bettenhaus ausgezogen sind, wird so schnell wie möglich mit der Stilllegung der technischen Anlagen begonnen. Es ist angestrebt, den Rückbau des Gebäudes noch in diesem Jahr einzuleiten. Der 104 Millionen Euro teure Klinikneubau, der offiziell Ende November 2008 eingeweiht wurde, beherbergt die Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, die Klinik für Endokrinologie und Nephrologie, die Abteilung für Angiologie und Kardiologie, die Abteilung für Pneumologie, die Abteilung für Hämatologie und Onkologie, die internistische Intensivmedizin, die Klinik und Poliklinik für Neurologie, die Ambulanz der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, die Tagesklinik für kognitive Neurologie sowie die Stabsstelle für Physikalische Therapie und Rehabilitation. Auch die Klinikumsverwaltung ist in diesem Neubau untergebracht. Insgesamt verfügen die Kliniken über 345 Betten im Neubau.

Mit 26 400 Quadratmetern Nutzfläche (47 085 qm Bruttogeschossfläche) ist der Neubau das größte Klinikzentrum auf dem Medizin-Campus Liebigstraße. Für die Baugrube wurden 60 000 Kubikmeter Erde ausgehoben. 10 000 Kubikmeter Beton, 1 000 Tonnen Bewehrungsstahl und 140 Tonnen Stahl für Stahlkonstruktionen waren nötig, um den Neubau zu bauen. In der 18.500 Quadratmeter großen Fassadenfläche sind 2.500 Fenster eingebaut. Unter 14 000 qm Linoleum, 6 000 qm Kautschuk, 5 000 qm Teppichboden, 4 000 Parkett und 1 700 qm Natursteinboden verlaufen 515 Kilometer Starkstrom und 325 km Schwachstromkabel. 35 Kilometer Edelstahlrohre, 20 km Kupferrohre für medizinische Gase, 10 km Gussrohre, 14 km Lüftungsrohre und 26 km Rechteckkanäle wurden verbaut.

NDGR goes India: Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen knüpft erfolgreich Kontakte in Indien

Das Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen e.V. (NDGR) nahm an der diesjährigen „Medical Fair India“, Delhi teil. Ziel der Präsentation war es, Möglichkeiten der Kooperation mit Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft aus Indien und Deutschland zu sondieren und Kontakte zu knüpfen. Eher als erwartet konnten konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht werden.

So werden Experten aus Indien auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit im Mai in Berlin (29.05.2009; 12:30 - 14:00 Uhr, Salon 13/14: Gesundheitswirtschaft International: Developing Indo-German Partnerships in Health Care Business) über die Zusammenarbeit berichten und Potenziale der Gesundheitswirtschaft in Indien aufzeigen. Das NDGR wird einen begleitenden Kongress zur Medical Fair India 2010 mit gestalten. Die Indien-Aktivitäten des NDGR sind offizieller Bestandteil der Kampagne "Research in Germany - Land of Ideas" und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Aus deutscher Sicht gesehen ist das indische Gesundheitswesen noch wenig entwickelt. Zwar gibt es eine Reihe von Hochleistungskliniken auf Weltstandard, jedoch sind die Versorgung in der Fläche und insbesondere die Versorgung der ärmeren Bevölkerung äußerst problematisch. Das Innovationsgeschehen ist deshalb zweigeteilt: Auf der einen Seite geht es darum, einzelne neue, wegweisende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, auf der anderen wird nach Systemlösungen gesucht, mit denen eine bessere Versorgung in der Breite gelingen kann. Dementsprechend standen bei den Gesprächen in Delhi konkrete Produkte und Dienstleistungen aus der medizinischen Biotechnologie und der Medizintechnik genau so im Fokus wie ganzheitliche Systeme für flächenorientierte Versorgungsketten - von der Prävention über die Diagnostik bis zur Therapie.

Seitens der indischen Gesprächspartner wurde immer wieder verdeutlicht, dass eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen vor allem deshalb interessant ist, weil das NDGR einen Überblick über die Gegebenheiten und über das Innovationsgeschehen in der deutschen Gesundheitswirtschaft bietet und integrierte Antworten auf Anfragen aus dem indischen Gesundheitswesens vermitteln kann. Im NDGR sind derzeit 15 deutschen Gesundheitsregionen zusammengeschlossen; sie arbeiten alle daran, in ihrer Region die Gesundheitsversorgung zu optimieren und sich als Top-Standorte der Gesundheitswirtschaft zu profilieren. Dies verschafft dem NDGR einen exzellenten Einblick in die Innovationstrends in Deutschland und liefert so eine gute Grundlage, im Ausland kompetente Auskünfte und Systemlösungen für das Gesundheitswesen zu geben.

Parallel zu den konkreten Ideen und Ansätze für deutsch-indische Projekte erkundigte sich die NDGR-Delegation auch bei der Deutschen Botschaft und bei der Messe Düsseldorf India - dem Veranstalter der Medical Fair India - danach, wie die deutsch-indische Zusammenarbeit in Sachen Gesundheit vorangebracht werden kann. Dr. Josef Hilbert, der Vorsitzende des Netzwerks, brachte aus diesen Kontakte wichtige Anregungen mit: „Die persönlichen Gespräche, die die NDGR-Delegation mit Botschaft und Messe geführt hat, haben gezeigt, dass es ,Ankerpunkte` vor Ort braucht, um ein effektives Kontaktmanagement in Indien aufbauen zu können“. Die vierköpfige Delegation hat bereits weitere Kontakte vereinbart, um bilaterale Projekte in der Gesundheitsversorgung, der Gesundheitstechnologie sowie in Wissenschaft und Forschung zu entwickeln. So wurde etwa vereinbart, für die nächste Medical Fair India ein Programm für einen indisch-deutschen Begleitkongress zu erarbeiten - zusa mmen mit der Exhibition India Group, einem führenden indischen Kongressveranstalter. Interessierte Unternehmen und Institutionen aus den deutschen Gesundheitsregionen können sich gerne an die NDGR-Geschäftsstelle in Berlin wenden.

Mehr Informationen finden Sie unter:
www.deutsche-gesundheitsregionen.de/aktuelle-projekte/healthcare-marketing-in-indien/

Der Verein zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig (VFG) e.V. ist Mitglied im NDGR.

Staatsministerin Clauß besucht den VFG e.V.

Am 03.06.2009 besuchte die Staatsministerin für Soziales des Freistaats Sachsen, Frau Christine Clauß, den Verein zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig (VFG) e.V., um sich über unsere Arbeit zu informieren. Die Vereinsvorstände und der Geschäftsstellenleiter informierten über die Aktivitäten des Vereins.

Diese Umfassen die Arbeit in den drei Arbeitsgruppen Schwachstellenanalyse, Image und Netzwerke, die Präsenz auf gesundheitswirtschaftlichen Messen und Kongressen, die überregionalen Imagekampagnen zum Gesundheitsstandort Leipzig, zur Transplantationsmedizin und zur Regenerativen Medizin, die Mitarbeit im Netzwerk Deutscher Gesundheitsregionen sowie den jährlichen Branchentreffpunkt Leipziger Forum Gesundheitswirtschaft.

Diskutiert wurden konkrete Projekte des Vereins, die mit Unterstützung des Sozialministeriums durchgeführt werden könnten sowie Themen des Sozialministeriums, die vom Verein und seinen Mitgliedern im Rahmen von Pilotprojekten evaluiert werden könnten. Das Treffen verlief in sehr angenehmer Arbeitsatmosphäre. Weitere regelmäßige Treffen wurden vereinbart.