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5. Leipziger Forum Gesundheitswirtschaft am 08. Oktober 2009

Das 5. Leipziger Branchentreffpunkt "Forum Gesundheitswirtschaft" fand am 8. Oktober 2009 in der BIO CITY Leipzig statt. Die Gesundheit als eines der wichtigsten Zukunftsthemen spielt in der mitteldeutschen Region eine wesentliche Rolle. In Zukunft werden die Therapien individueller auf die Patienten ausgerichtet - Stichwort personalisierte Medizin.

Durch Fortschritte in der Forschung werden die Leistungserbringer die Bedürfnisse und die Behandlungsabläufe der Patienten immer mehr in Einklang bringen können. Im nunmehr fünften Jahr organisierte der Verein zur Förderung der Gesundheitswirtschaft in der Region Leipzig (VFG) am 8. Oktober 2009 in der BIO CITY Leipzig den Branchentreffpunkt "Forum Gesundheitswirtschaft", bei dem die neuesten Trends im Bereich der individualisierten Medizin vorgestellt und diskutiert wurden.

Nach Grußworten des Leiters des Fraunhofer Institutes für Zelltherapie und Immunologie und Direktors des Institutes für Klinische Immunologie und Transfusionsmedizin der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig sowie Vorsitzenden des VFG, Prof. Dr. med. Frank Emmrich und dem Leiter der Geschäftsstelle des Vereins referierte die Sächsische Staatsministerin für Soziales, Christine Clauß, über die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung in Sachsen und erinnerte zunächst an das Erreichte. Die meisten Krankenhäuser hätten sich in den Jahren 1989/90 in einem desolaten Zustand befunden. Stationen mit veralteter medizinischer Ausstattung sowie Zimmer mit bis zu 10 Betten seien keine Ausnahme gewesen. Heute präsentierten sich die sächsischen Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen mit insgesamt über 34.000 Betten nach einem vom Bund, den Krankenkassen und dem Freistaat Sachsen zur Verfügung gestellten Investitionsvolumen von über € 4,6 Mrd. auf hohem Niveau. Die verbesserte Gesundheitsversorgung habe die Lebensqualität gesteigert und zu einer messbar gestiegenen Lebenserwartung geführt. In der Zukunft sei es die größte Herausforderung, die Folgen der demographischen Entwicklung zu meistern. In den kommenden zwanzig Jahren würde sich die Bevölkerung in Sachsen um mehr als eine halbe Million Menschen verringern. Hinzu komme die Veränderung der Altersstruktur. Einerseits werde der Anteil der Erwerbsfähigen um 10 Prozent schrumpfen. Demgegenüber werde der Anteil der über 65-jährigen um 11 Prozent steigen und ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Der Anteil der Hochbetagten über 80 Jährigen würde bereits in den kommenden 12 Jahren um mehr als 50 % auf ca. 370.000 steigen. Die Nachfrage nach medizinischen Leistungen würde deshalb schon morbiditätsbedingt trotz des Bevölkerungsrückgangs deutlich ansteigen und damit zwangsläufig auch zu höheren Personal- und Sachkosten in der Gesundheitswirtschaft führen. Demgegenüber sei der Spielraum eines Ausgleichs durch Erhöhungen der Beitragssätze begrenzt. Daher spreche vieles dafür, dass sich der Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern mit dem zunehmenden Bedarf an Gesundheitsleistungen verstärke. Die bisherige Trennung zwischen ambulanten und stationären Leistungen würde sich in räumlicher, organisatorischer und personeller Hinsicht zugunsten indikationsbezogener integrierter Programme auflösen. Vor allem aber müsse dem sich in den ländlichen Regionen bereits abzeichnenden Ärztemangel begegnet werden - dies sei auch eine politische Herausforderung. Umso erfreulicher sei es, dass sich die Selbstverwaltungen von Ärzten und Krankenkassen geeinigt hätten, ab 2009 mindestens € 2,5 Mrd. zusätzlich für die ambulante Versorgung zur Verfügung zu stellen.

Wie zufrieden sind die Sachsen eigentlich mit ihrem Gesundheitssystem und was leistet das System? Das Ernst & Young Gesundheitsbarometer 2009 gibt hierzu Auskunft und wurde vorgestellt von Peter Lennartz, Partner der Ernst & Young GmbH. Die Studie ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung zur Qualität der Gesundheitsversorgung durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut. Danach sind 85 Prozent der Sachsen insgesamt zufrieden mit der Gesundheitsversorgung. In puncto Behandlungserfolg und Diagnostik schneiden die praktischen Ärzte am Besten ab. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei der technischen Ausstattung: Krankenhäuser erhielten hier die besten Noten, gefolgt von den Fachärzten. Die Hausärzte genießen allerdings das größte Vertrauen - ihre Arbeit wird im Hinblick auf Beratung, Freundlichkeit und Behandlung besser bewertet als die von Fach- und Klinikärzten. Allerdings zeige die Studie auch, dass privat Versicherte zufriedener sind - ein besonders eklatanter Unterschied zu den gesetzlich Versicherten habe sich beim Faktor "Wartezeit" ergeben. Auf die Frage, ob sich die Qualität der gesundheitlichen Versorgung in den vergangenen Jahren verändert habe, war die Stimmung der Sachsen bundesweit am positivsten - 67 Prozent meinten, die Versorgung sei gleich geblieben oder sogar besser geworden.

Mit seinem Beitrag "Patientenorientierung im Versorgungsmanagement der Krankenkassen" referierte Dr. med. Torsten Hecke, Leiter des Projektes "Medizinische Versorgungszentren" der Techniker Krankenkasse Hamburg. Der Patient als Partner des Arztes im medizinischen Entscheidungsprozess - in zehn vom BMG geförderten Projekten sei erprobt worden, wie dies über neue Behandlungsmodelle realisiert werden könnte. Dr. Hecke stellte den Prozess der Entwicklung von Versorgungsangeboten am Beispiel des zwischenzeitlich umgesetzten Konzeptes der Medizinischen Versorgungszentren der TK vor. Die Bedürfnisse seien jahrelang in einem "Trendmonitor" zusammengefasst und die Patienten damit in die Entwicklung einbezogen worden. Das Ergebnis sei eine Behandlung auf hohem medizinischen Niveau. Auch im Leipziger Versorgungszentrum steuere heute eine zentrale Einheit die Betreuung der Patienten sowie alle Termine bei verschiedenen Fachärzten mit maximal dreißigminütiger Wartezeit. Mit dem „TK-Patientendialog“ sei zudem ein interaktives Medium für die Patienten zur Vorbereitung auf den Arztbesuch im MVZ entwickelt worden.

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt e. V., Dr. Gösta Heelemann, stellte mit seinem Beitrag "Krankenhäuser im Wandel" die strukturellen Veränderungen in der Krankenhauslandschaft nach der Einführung des DRG-Abrechnungssystems vor. Hierdurch wurden die bislang individuell verhandelten Pflegesätze zunächst durch klinikspezifische, bis 2009 jedoch bundesweit einheitliche diagnoseabhängige Pauschalvergütungen für die Behandlungsfälle ersetzt. Kliniken mit niedrigen Betriebskosten und höherer Produktivität kämen damit besser zurecht. Durch den sich zunehmend verschärfenden Qualitäts- und Leistungswettbewerb unter den Häusern sei die durchschnittliche Verweildauer der Patienten von ca. 13 auf nur noch ca. 8 Tage gesunken und die Bettenkapazitäten seien seit 1990 kontinuierlich um mehr als 26 % abgebaut worden. Dennoch hätten die Krankenhäuser zu kämpfen, um kostendeckend zu wirtschaften. Eine Folge des Strukturwandels sei auch der rasante Anstieg der privaten Leistungserbringer. In der Zeit von 1996 bis 2007 sei die Zahl der privat betriebenen Häuser um ca. 42 % gestiegen, heute sei damit jede dritte Klinik in privater Trägerschaft.

LIFE steht für "Leipziger Interdisziplinärer Forschungskomplex zu molekularen Ursachen umwelt- und lebensstilassoziierter Erkrankungen" und wurde von Prof. Dr. med. Joachim Thiery, Inhaber der Professur für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik des Universitätsklinikums Leipzig AöR und Leiter des Projekts vorgestellt, das im Sächsischen Landesexzellenzwettbewerb der Universitäten den Sprung an die Spitze geschafft hat. Im Mittelpunkt des Forschungsprogramms stehe die Frage, welche Rolle Gene, Umwelt und Lebensstil für die individuelle Ausprägung der Volkskrankheiten spielen. Atherosklerose mit Herzinfarkt und Schlaganfall, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus, Demenz und Depression, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Kopf- und Halstumore sowie Allergien seien für über 60 % aller Todesfälle und Erkrankungen verantwortlich. Mit modernster Spitzentechnologie würden die molekularen Ursachen dieser Zivilisationskrankheiten durch Kombination von Kohortenstudien, Analytik, Funktionsaufklärung und wirtschaftlicher Verwertung erforscht. Rund 10.000 Erwachsene und 5.000 Kinder würden umfassend untersucht und parallel Krankheitsgruppen der LIFE-Krankheiten mit 17.000 Patienten aufgebaut. Die vergleichenden Untersuchungen würden entscheidende Hinweise auf die Zivilisationskrankheiten bedingenden Zielmoleküle geben. Bereits 2012 sollen erste klinisch anwendbare Ergebnisse des Forschungsprogramms vorliegen. Der Leipziger LIFE-Verbund würde damit zur Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen in der Diagnostik und Therapie der Volkskrankheiten führen.

Die Firma Merck beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Biomarker und stratifizierte Medizin. Dr. Andreas Kovar, Vice Präsident der Merck KGaA und Leiter Global Exploratory Medicine, stellte das Thema "Personalisierte Medizin" aus Unternehmenssicht vor. Die Wirkung vieler Medikamente variiere von Mensch zu Mensch, bereits geringe Abweichungen im Erbgut beeinflussten die Wirkung von Medikamenten. Was den einen heile, versage bei anderen. Therapien sollten daher dem Genprofil des Patienten angepasst werden - die Gendiagnostik sei ein Zukunftsmarkt und biete die Chance der Kostensenkung bei der Wirkstoffentwicklung sowie der Erschließung neuer Therapieprinzipien. Bei der biomarkerbasierten Stratifizierung beruhe die angestrebte Individualisierung der therapeutischen Intervention vor allem auf einer Unterteilung der Patientenpopulation in klinisch relevante Untergruppen, etwa in Gruppen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko oder mit gutem Ansprechen auf eine bestimmte Therapie. Inzwischen gebe es auch erste Erfolge in der Krebstherapie. Zentrale Studien mit Erbitux zeigten bei metastasiertem Kolorektalkarzinom, dass bei Patienten, die keine Mutationen des sogenannten KRAS-Gens aufwiesen, die Chance höher sei, Metastasen des Tumors zu verkleinern, als bei Patienten mit Mutation. Auch für Lungenkrebspatienten sei der Nutzen des personalisierten Therapieansatzes von Erbitux nachgewiesen worden.

Im letzten Beitrag "Nach der Reform ist vor der Reform? Perspektiven im Gesundheitssystem" stellte Uta Engelhardt, Referentin für Politik bei der Deutschen BKK, Optionen nach der Gesundheitsreform mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahlen sowie die 2010 den Krankenkassen voraussichtlich fehlenden € 7,45 Mrd. vor. Sie prognostizierte Zusatzbeiträge bei jeder zweiten Kasse. Der Kostendruck und der hiermit verbundene Trend zur Fusion werde anhalten. Habe es im Jahr 1970 noch 1815 Krankenkassen gegeben, seien es heute noch 184. Mittelfristig solle der lohnbezogene Arbeitgeberanteil dennoch auf derzeitigem Niveau eingefroren werden. Kollektivverträge müssten durch Einzelverträge mit den Leistungserbringern ergänzt werden. Außerdem seien Korrekturen beim morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich durch unterschiedliche demographische Entwicklungen der Regionen erforderlich. Mittelfristig sei jedoch auch eine Absenkung des GKV-Leistungskatalogs im Hinblick auf Krankengeld, Zahnersatz sowie bei erlittenen Unfällen eine Option.