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Innovatives Gerät ermöglicht Messung der Leberfunktion in der Atemluft

Sicherere Operationen bei Lebererkrankungen dank neuem Verfahren


Leipzig. Den Leberchirurgen am Universitätsklinikum Leipzig steht jetzt ein
innovatives Verfahren zur Messung der Leberfunktion zur Verfügung. Der
sogenannte LiMAx Test misst die potentielle Leistungsfähigkeit der Leber
anhand von Bestandteilen der Atemluft und liefert so mehr Daten als z.B.
Blutuntersuchungen. Wichtig ist diese Form der Vorabuntersuchung vor allem
für die bessere Planung von Leberoperationen - anhand der so erhobenen
Funktionsreserve kann der Operateur das Risiko eines Eingriffs sehr viel
genauer beurteilen.


"Damit können wir die notwendigen Operationen sehr viel sicherer machen und die Gefahr
von Komplikationen ganz wesentlich verringern", erklärt Prof. Daniel Seehofer,
Leberoperateur und Leiter des Bereichs Hepatobiliäre Chirurgie und
Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Seehofer bringt von seiner früheren
Wirkungsstätte an der Berliner Charité bereits gute Erfahrungen mit dem innovativen Gerät
mit. "Dieses Verfahren wurde dort entwickelt und seit vielen Jahren eingesetzt, um die
wichtige Frage, wieviel dem kranken Organ Leber bei einer Operation zuzumuten ist, im
Vorfeld besser beantworten zu können", so Seehofer. Dafür liefert die Leberfunktionsmessung
Daten, die bisher mittels Laboruntersuchungen nicht erhoben werden können.


Die Leber ist das einzige Organ, das sich aus eigener Kraft vollständig regenerieren kann.
Bei Erkrankungen oder Verletzungen können verbleibende Teile die Funktion des gesunden
Organs übernehmen und nach einiger Zeit ersetzen. Das gelingt aber nur, wenn das
gesunde Gewebe noch über ausreichend Reserven verfügt. Anderenfalls droht nach einer
Operation ein lebensgefährliches Organversagen. "Mit dem Leberfunktionstest können wir
sehr gut abschätzen, über wieviel Funktionsreserve und damit Kraft zur Regeneration die
Leber noch verfügt", beschreibt Seehofer. "Oftmals stellen wir so fest, dass die Leber noch
bessere Reserven hat als angenommen." Dadurch wird ein rettender Eingriff in manchen
Fällen überhaupt erst möglich. Der Test kann aber auch Hinweise dazu liefern, dass
vorbereitend vor einer Operation zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, z.B. um
die Leber zum Wachsen anzuregen. "Durch die Funktionsmessung vorab können wir das
Risiko für einen Eingriff stark verringern", so Seehofer. Studien belegen inzwischen, dass
durch den Einsatz der Leberfunktionsmessung die Sterblichkeitsrate nach einer Leberoperation
um zwei Drittel zurückgegangen ist. Bei Krebspatienten beispielsweise zeigt die
Leberfunktionsmessung nach einer Chemotherapie oftmals schlechte Werte.


"Diese Einschränkung können wir mit anderen Verfahren oft gar nicht erfassen", erläutert
dazu Prof. Thomas Berg, Leiter der UKL-Sektion Hepatologie und internistischer Partner von
Prof. Seehofer bei der Behandlung von Lebererkrankungen. "In solchen Fällen können wir
jetzt einfach ein paar Wochen warten, bis sich die Leber von der Krebstherapie erholt hat
und dann operieren", so Berg. Ohne diese Hinweise auf die geschwächte Leber wäre die
Operation für den Patienten hoch gefährlich. "Das neue Messverfahren ist damit eine sehr
sinnvolle und wertvolle Ergänzung unserer diagnostischen Möglichkeiten und sehr hilfreich,
um Operationen zu ermöglichen oder unsichere Operationen zu verhindern", betont Prof.
Berg.Dabei ist das ca. 45 Minuten dauernde Verfahren für den Patienten völlig unbelastend:
Für die Messung wird eine Substanz über die Vene verabreicht, die nur in der Leber
verstoffwechselt wird. Das dabei entstehende typische Kohlenstoffisotop wird zu den Lungen
transportiert und mit der Atemluft abgeatmet. Das LiMAx-Gerät misst über eine spezielle
Atemmaske die Konzentration des Kohlenstoffisotops in der Atemluft und gibt so direkte
Rückmeldung zur Funktionsfähigkeit der Leber.


Ziel der UKL-Mediziner ist es, künftig Referenzwerte auch für weitere Fragestellungen zu
erheben und damit das Anwendungsfeld zu erweitern. "Wir können uns zum Beispiel
vorstellen, dass die Leberfunktionsmessung perspektivisch auch zu einer frühzeitigen
Beurteilung eines akutes Leberversagens beitragen kann, und damit Informationen darüber
liefern kann, ob eine Transplantation notwendig ist oder eine Chance besteht, dass sich die
Leber aus eigener Kraft wieder erholt", gibt Prof. Berg einen Ausblick.

Universitätsklinikum Leipzig
Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) blickt gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät als
zweitältester deutscher Universitätsmedizin auf eine reiche Tradition zurück. Heute verfügt
das Klinikum mit 1450 Betten über eine der modernsten baulichen und technischen
Infrastrukturen in Europa. Zusammen mit der Medizinischen Fakultät ist es mit über 6000
Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt Leipzig und der Region. Jährlich
werden hier über 400.000 stationäre und ambulante Patienten auf höchstem medizinischen
Niveau behandelt. Diese profitieren von der innovativen Forschungskraft der Wissenschaftler,
indem hier neueste Erkenntnisse aus der Medizinforschung schnell und gesichert in die
medizinische Praxis überführt werden.

((Pressemitteilung)) UKL, 7. Juli 2016