UKL nutzt moderne Methoden zur Krebsbehandlung an Bauch- und Rippenfell

PIPAC und PITAC: Chemotherapielösung als Druckaerosol
UKL nutzt moderne Methoden zur Krebsbehandlung an Bauch- und Rippenfell


Erstmals in Mitteldeutschland beide Verfahren erfolgreich kombiniert
Leipzig. Als neueste Form der Behandlung von fortgeschrittenem Krebsleiden
haben sich für das Bauchfell die PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol
Chemotherapy) und für das Rippenfell die PITAC (Pressurized IntraThoracic
Aerosol Chemotherapy) herausgebildet. Die Klinik für Viszeral-
Transplantations-, Thorax und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum
Leipzig stellt betroffenen Patienten beide Verfahren zur Verfügung.

Erstmals in Mitteldeutschland wurden nun auch bei einem Patienten PITAC
und PIPAC kombiniert. Dem Patienten konnte so bei nur einem Eingriff gleich
mit beiden Methoden geholfen werden.


Lange Zeit galt die Aussaat des Tumors auf das Bauch- oder Rippenfell als ein derart
fortgeschrittener Zustand, bei dem ausschließlich eine Chemotherapie in Frage kam. Erst mit
der Einführung der Verfahren HIPEC (Hypertherme IntraPEritoneale Chemotherapie) am
Bauchfell und HITOC (Hypertherme IntraThorakale Chemotherapie) am Rippenfell konnten
sich neue Methoden etablieren. Hierbei wird nach der chirurgischen Entfernung des
sichtbaren Tumorgewebes der operierte Raum mit einer erwärmten Chemotherapielösung
durchspült. Die positiven Effekte einer langfristigen Tumorkontrolle durch diese kombinierten
Verfahren wurden bereits in Studien nachgewiesen.


Sind jedoch die Möglichkeiten bei der chemotherapeutischen Standardbehandlung
ausgereizt und der Tumorbefall noch nicht zu weit fortgeschritten, kommen die Verfahren
PIPAC und PITAC in Frage.


Hier verzichten die Ärzte weitgehend auf die Entfernung des befallenen Gewebes. Statt als
flüssiger Chemotherapielösung steht das Medikament als feiner Nebel zur Verfügung. Dieser
wird minimal-invasiv mit leichtem Druck, ähnlich einer Windböe, und einer Einwirkzeit von
30 Minuten in den befallenen Körperbereich gegeben. Das sogenannte Druckaerosol verteilt
sich so auch in kleine Ecken und Winkel und erreicht eine gezielte Wirkung am gewünschten
Ort.


PIPAC und PITAC seien jedoch keine Standardtherapien und ihre Anwendung immer
Einzelfallentscheidungen nach Rücksprache mit dem Patienten, betont Dr. Boris Jansen-
Winkeln, leitender Oberarzt in der Viszeralchirurgie. Auch wenn bisher bereits über 50
Patienten mit dem PIPAC-Verfahren behandelt worden seien, bleibe es ein experimentelles
Verfahren. "Wir können noch nicht sicher sagen, wie der genaue Nutzen für den einzelnen
Patienten ist", so der Experte, "wir schauen da kritisch hin."


Dr. Sebastian Krämer, Oberarzt in der Thoraxchirurgie, sieht die PITAC nach den ersten
beiden Anwendungen als Ergänzung für individuelle Behandlungskonzepte: "Es ist gut, neue
innovative Methoden als zusätzliche Werkzeuge im Angebot zu haben."
Beide UKL-Ärzte sind sich einig: Obwohl vom Charakter her palliativ, werde durch eine OP
mit diesen Verfahren die Lebensqualität des Patienten nicht beeinträchtigt und im besten Fall
die Lebenszeit verlängert.


Die Behandlung von Patienten mit einer solch fortgeschrittenen Tumorerkrankung verlangt
immer nach einer Einbindung verschiedener Fachdisziplinen. Eine Entscheidung, ob die
Behandlung mit PIPAC oder PITAC für den jeweiligen Patienten in Frage kommt, wird daher
in einem Kreis von Experten im so genannten Tumorboard abgestimmt. In den Sitzungen des
Tumorboards treffen sich Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Gastroenterologen,
Pathologen und natürlich Viszeral- und Thoraxchirurgen und besprechen die einzelnen Fälle.
"Etwa fünf Patienten fragen pro Woche nach einer Behandlung mit PIPAC an, doch nur bei
zweien empfehlen wir es auch", erklärt Oberarzt Jansen-Winkeln. "Es muss auch aus Sicht
der Leistungsfähigkeit des Patienten sinnvoll sein", ergänzt Oberarzt Krämer.


Die kürzlich erfolgte gleichzeitige Behandlung des Bauchraumes mit PIPAC und des
Brustraumes mit PITAC bei einem Patienten war die erste derartige Doppel-Operation in
Mitteldeutschland. Dr. Jansen-Winkeln und Dr. Krämer sehen darin zwei vielversprechende
OP-Ansätze in einer Operation, oder anders ausgedrückt, die Belastung einer OP, jedoch mit
doppeltem Nutzen.


Kontakt:
Sprechstunde für HIPEC / PIPAC
Montags und donnerstags 14 bis 16 Uhr
Viszeralchirurgie des Uniklinikums Leipzig
Liebigstraße 20
Haus 4
Telefon: 0341/97-17200