Erstmals Leipziger Preis für Krankenhauslogistik auf der med.Logistica verliehen

Bestmöglich versorgte Patienten durch optimierte Prozesse: Der mit 6.000 Euro dotierte Leipziger Preis für Krankenhauslogistik wurde heute auf der med.Logistica (17. bis 18. Mai 2017) erstmals vergeben. Gewinner ist Michael Kazianschütz, MBA, MSc, Leiter der Stabsstelle Logistik am LKH-Universitätsklinikum Graz, für die „Implementierung des Gesamtkonzepts Logistik auf Basis des SCOR-Prozessmodells am LKH-Univ. Klinikum Graz“. Eine hochkarätig besetze, achtköpfige Fachjury aus Wissenschaft, Industrie und Praxis bewertete 22 Einreichungen aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Den zusätzlich verliehenen Nachwuchspreis Thesis-Award erhielt Benjamin Heyse von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für seine Masterarbeit im Bereich Krankenhauslogistik.

 „Für das Projekt des LKH Univ.-Klinikum Graz hat sich die Jury entscheiden, weil es eine mustergültige und folgerichtige Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Logistik darstellt, die zu einer in allen Krankenhäusern wünschenswerten Transparenz der Logistikprozesse führt“, erklärt Prof. Dr. Hubert Otten, Jurymitglied des Preises und Direktor des Kompetenzzentrums eHealth an der Hochschule Niederrhein. „Die hier angewandte Systematik kann unproblematisch auf andere Krankenhäuser übertragen werden. Aus diesem Grund vertritt die Jury im Weiteren die Auffassung, dass die Bedeutung der Krankenhauslogistik mit Blick auf dieses Multiplikationspotenzial intern wie extern zunehmen wird und sich in Bezug auf Qualität und Effizienz weitere Verbesserungspotenziale erschließen.“

Gesundheitswesen: Logistik stärker im Fokus

„Der Leipziger Innovationspreis für Krankenhauslogistik verschafft der Logistik im Gesundheitswesen noch mehr Gehör. Wir sind stolz, dass unser Ansatz mitunter unterstützende Prozesse auf Basis des SCOR-Modells darzustellen, in der Branche für Furore sorgt“, betont Preisträger Michael Kazianschütz MBA, MSc, Leiter der Stabsstelle Logistik am LKH-Univ. Klinikum Graz, einem Spital mit etwa 1.500 Betten und 7700 Mitarbeitern sowie pro Jahr 1,2 Millionen Behandlungen bei rund 84.000 stationär und etwa 400.000 ambulant betreuten Patienten. „Nicht zuletzt bedeutet der Preis enorme Reputation für das gesamte Klinikum und würdigt die harte Arbeit der letzten Jahre“, ergänzt Mag. Gebhard Falzberger, Betriebsdirektor des Klinikums.

In den letzten drei Jahren wurde am Grazer LKH-Universitätsklinikum ein komplett neues, nun preisgekröntes logistisches Gesamtkonzept installiert. Als Bestandteil des Supply-Chain-Managements gingen parallel ein neues Versorgungszentrum sowie ein Transportleitsystem in Betrieb, welches Speisenversorgung, Materialwirtschaftsgüter, Apotheken- inklusive Kühlware einbindet und künftig Lebensmittel- und Getränkeauslieferung sowie Wäsche- und Sterilgutversorgung einbinden soll. Eine über Jahrzehnte, mitunter seit 1986, heterogen gewachsene und teilweise intransparente Logistiklandschaft wurde ersetzt. Kazianschütz: „Das bisherige System war nicht aus einem Guss, weniger ineffizient und auf künftige Anforderungen nicht unbedingt ausgelegt.“ Der Preis werde nun weitere Innovationen antreiben.

Logistik: Krankenhäuser im Umbruch

„Wir verzeichnen bereits jetzt großes Interesse anderer Einrichtungen an unserem Gesamtkonzept Logistik, speziell von anderen Universitätskliniken. So gab es in den vergangenen Monaten bereits einige Besichtigungen durch Kollegen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich“, berichtet Mag. Falzberger und Michael Kazianschütz MBA, MSc, fügt hinzu: „Die Krankenhauslandschaft befindet sich speziell auf dem Gebiet der Logistik in einer Zeit des Umbruchs. Der Begriff Industrie 4.0 wurde auf dem Gesundheitssektor lange Zeit ignoriert. Doch inzwischen macht man sich immer mehr Gedanken, welche Technologien nutzbar wären – Stichworte sind RFID-Lösungen, Transportleit- oder fahrerlose Transportsysteme. Das Krankenhaus 4.0 hält Einzug.“

Optimierte Prozesse: Flaschenhälse eliminiert

Erste Erfolge des neuen Gesamtkonzepts Logistik und der damit verbundenen standardisierten Arbeitsweise seien bereits deutlich sichtbar, erklären Betriebsdirektor Mag. Falzberger sowie Logistikexperte Kazianschütz. Auch wenn genaue Ist-Soll-Kennzahlen erst in einem weiteren Schritt erhoben werden.

Vorteil laut Kazianschütz: Jederzeit ist in Echtzeit nachvollziehbar, wo sich die Ware befindet, wer sie wann und wo übergeben hat. „Vor der Einführung des Transportleitsystems warteten die Mitarbeiter bis zu 30 Minuten in den Kopfbahnhöfen auf die Essenslieferung. Oft wussten sie nicht, wie viele Wagen kommen und fuhren mehrfach mit dem Aufzug in den Logistiktunnel hinunter, um nachzusehen.“ Das Vermeiden unnötiger Fahrten entlaste die Aufzüge enorm. Außerdem ließen sich die Transporte besser planen: So hätten die Transportwagen vormals „viel Luft“ befördert – nun werde der Platz optimal ausgefüllt und die Zahl der Wagen reduziere sich.

„Zwei Jahrzehnte lang fielen Anlieferungen von Materialwirtschaftsgütern und Apothekenwaren auf denselben Tag. Aufgrund der Prozessanalysen haben wir dies entzerrt“, erläutert Kazianschütz. „Die alternierende Lieferung nivelliert Spitzen, schafft mehr Platz in den Kopfbahnhöfen und vermindert den Stress. Insgesamt versuchen wir hier insbesondere Lean-Management-Ansätze zu verfolgen.“ Die Lagerbestände sowie die Zahl abgelaufener Medikamente seien geschrumpft: Statt eines kleinen Abfallbehälters müsse am Monatsende nur noch eine Handvoll Arzneien entsorgt werden. Schließlich entlaste die Einführung einer eigenen Versorgungsassistenz das am Patienten tätige Pflegepersonal.

Transparente Wertschöpfungskette in Teilkonzepten

Zur Analyse der Logistikflüsse entschied sich die Stabsstelle Logistik am LKH-Univ. Klinikum Graz für die Adaption des SCOR-Modells (Supply-Chain-Operations-Reference-Modell), welches in anderen Branchen seit 1996 eingesetzt wird: „Das SCOR-Modell bietet durch seine Kernsäulen source/beschaffen – make/herstellen – deliver/liefern eine ideale Basis, um logistische Kernprozesse im Gesundheitswesen visuell darzustellen, Verbesserungspotenziale zu erkennen“, unterstreicht Stabsstellenleiter Kazianschütz. Darüber hinaus werde dadurch ermöglicht, ineinandergreifende Prozesse oder Prozesselemente zueinander in Beziehung zu setzen.

„Das von uns aufbereitete Gesamtkonzept Logistik zeichnet sich im Wesentlichen durch aufeinander aufbauende Teilkonzepte aus, welche die gesamte Supply Chain eines Krankenhauses von Wareneingang bis zur Lieferung an den ‚point of use’ beinhaltet und transparent abbildet“, so Kazianschütz. Weiters sind der Einsatz der Versorgungsassistenz sowie die elektronische Anforderung und Genehmigung im SAP-MM als eigene Teilkonzepte konzipiert und umgesetzt worden. Ein Notfallkonzept rundet künftig alles ab: Erarbeitet würden unter anderem präventive Szenarien, um Patienten auch bei Stromausfall mit Essen oder Medikamenten zu versorgen. Kazianschütz: „Die Kombination des SCOR-Modells mit den einzelnen Teilbereichen der Logistikkette, implementiert in einem Krankenhaus unserer Dimension – das war der innovative Ansatz unserer Preiseinreichung.“

Der Leipziger Preis für Krankenhauslogistik

Der Leipziger Preis für Krankenhauslogistik wird alle zwei Jahre auf der med.Logistica, Kongress für Krankenhauslogistik mit Fachausstellung, vergeben. Die mit 6.000 Euro dotierte Auszeichnung für besonders innovative Logistikprojekte im Gesundheitswesen wurde durch den Austeller- und Programmbeirat der med.Logistica sowie die Leipziger Messe GmbH initiiert und 2017 erstmals verliehen. Zu den Auswahlkriterien gehören Innovationskraft, Praxisrelevanz, quantifizierbarer Nutzen und Nachhaltigkeit, Multiplikationseffekt, Potenzial bezüglich Ökonomie und Qualität sowie Patientennutzen und -sicherheit.
Speziell an Absolventen richtet sich der Nachwuchspreis Thesis-Award: Er würdigt herausragende studentische Abschlussarbeiten zur Prozessoptimierung im Gesundheitswesen und ist mit 1.000 Euro dotiert.

Der Preisträger 2017 des Leipziger Preises für Krankenhauslogistik:
Michael Kazianschütz, MBA, MSc, Leiter der Stabsstelle Logistik, LKH-Universitätsklinikum Graz, „Implementierung des Gesamtkonzepts Logistik auf Basis des SCOR-Prozessmodells am LKH-Univ. Klinikum Graz“.

Der Preisträger 2017 des Thesis-Awards:
Benjamin Heyse, Studiengang Wirtschaftsingenieur Logistik, Fakultät für Maschinenbau, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Masterarbeit „Entwicklung eines kennzahlenorientierten Geschäftsprozessmanagement-Tools zur Planung, Steuerung und Optimierung von Wertschöpfungsketten in Krankenhäusern“.

Die Jury des Leipziger Preises für Krankenhauslogistik setzt sich aus Logistikleitern, Wissenschaft und Industrie zusammen. 2017 wirkten mit:
Marcel Dieck, Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG, Leiter Projektmanagement Krankenhauslogistik (Bremen);
Lars Johow, DYNAMED GmbH, Prokurist (Berlin);
Andreas König, Schwarzwald-Baar Klinikum Villingen-Schwenningen GmbH, Leiter Wirtschaft & Einkauf (Villingen-Schwenningen);
Andreas Melchert, HELIOS Kliniken GmbH, Leiter Zentraler Dienst Logistik (Berlin);
Martin Micheli, Pdc-process-design consultants, Geschäftsführer (Klagenfurt, A);
Prof. Dr. Hubert Otten, Hochschule Niederrhein University of Applied Sciences, Direktor Competence Center eHealth (Krefeld);
André Reinecke, KLE Klinik Logistik Eppendorf GmbH, Geschäftsführer (Hamburg);
Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff, HHL - Leipzig Graduate School of Management, Professor für International Healthcare and Hospital Management/ Centrum für Krankenhausmanagement der Universität Münster, Institutsleiter (Leipzig/ Münster).

Medienpartner des Leipziger Preises für Krankenhauslogistik:
kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin

Das Preisgeld des Leipziger Preises für Krankenhauslogistik 2017 wurde durch die DYNAMED GmbH, die Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG sowie Pdc-process-design consultants gesponsert.

Über die med.Logistica
Die med.Logistica, Kongress für Krankenhauslogistik mit Fachausstellung, wurde am 6. und 7. Mai 2015 im Congress Center Leipzig zum dritten Mal veranstaltet. Sie richtet sich an Direktoren und Geschäftsführer von Krankenhäusern und Trägergesellschaften, an Bereichs- und Abteilungsleiter für Logistik, Einkauf, Wirtschaft und Verwaltung sowie an OP-Manager, Technische Leiter und Pflegedirektoren. Ebenso werden Krankenhausapotheker, Krankenhaus-Architekten und -Planer, aber auch Industrievertreter angesprochen. 2015 zog die Plattform für Healthcare-Logistik 750 Fachbesucher an. Insgesamt 66 Aussteller aus sechs Ländern zeigten in der begleitenden Industrieausstellung ihre Logistikprodukte und Logistikdienstleistungen.

Ansprechpartner für die Presse:
Karoline Nöllgen, Pressesprecherin Medizinische Messen
Leipziger Messe GmbH
Telefon: +49 (0)341 / 678 6524
Telefax: +49 (0)341 / 678 166524
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med.Logistica im Internet:
www.medlogistica.de // #medlogistica17

((Pressemitteilung)) Leipziger Messe, 17. Mai 2017