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Experten zum Welt-Alzheimer-Tag: Eine der größten Herausforderungen kommender Jahrzehnte

Wenige Tage vor dem Welt-Alzheimer-Tag veranstaltet die Alzheimer Gesellschaft Leipzig zusammen mit Experten der Leipziger Universitätsmedizin einen Informationstag Demenz. Am 17. September geben vier Wissenschaftler Auskunft über den Stand der Forschung, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. An der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig wird auf diesem Bereich seit langem intensiv geforscht – eine Zusammenfassung.

Termin: 17.09.2013, 13: Uhr bis 16: Uhr
Ort: Großer Hörsaal, Institut für Anatomie, Liebigstraße 13, 04103 Leipzig

Wissenschaftler des Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung waren vor über 30 Jahren an der Entdeckung des Absterbens von Neuronen, die den Botenstoff Azetylcholin zur Übertragung von Signalen verwenden im Gehirn von Alzheimer-Patienten, beteiligt. Sie haben damit zu den Grundlagen der bis heute einzigen verfügbaren Behandlung der Erkrankung beigetragen, die darauf abzielt, den Verlust des Botenstoffes Azetylcholin auzugleichen und gehören zu den Forschungsgruppen in Deutschland, die am längsten auf dem Gebiet der Erforschung der Ursachen und der Entwicklung therapeutischer Konzepte der Alzheimerschen Erkrankung tätig ist.

Forschungen aus der Arbeitsgruppe des geschäftsführenden Institutsdirektor, Prof. Thomas Arendt, haben überraschende Parallelen zwischen den Erkrankungsmechanismen bei Alzheimerscher Erkrankung und Tumorerkrankungen erkennen lassen. Hierauf beruht ein völlig neuartiges Konzept zur Frühdiagnose und Behandlung. "Wir sind optimistisch, einen von uns entwickelten Bluttest zur Frühdiagnose der Erkrankung in einem überschaubaren Zeitraum in die klinische Anwendung zu überführen und später kostengünstig und einfach beim Hausarzt durchzuführen zu lassen", so Arendt. Auf der therapeutischen Seite konzentriert sich sein Team auf die Entwicklung einer Gentherapie, deren Wirksamkeit experimentell bereits gezeigt werden konnte. Hierbei wird ein molekularer Schalter in die Zelle eingebaut, der den Zellschutz aktiviert und so das Absterben von Nervenzellen verhindert. Die Gruppe arbeitet derzeit an den Voraussetzungen, diese Therapie in die klinische Anwendung zu überführen. Dennoch dämpft Arendt die Erwartungen: "Wir sind auf einem sehr erfolgversprechenden Weg, dennoch wird die Entwicklung einer effektiven Therapie noch viele Jahre in Anspruch nehmen".

In der Alzheimerforschung haben sich bislang zwei große Strömungen hervorgetan. Die einen sagen, dass die Erkrankung mit einer Überproduktion des Amyloidproteins beginnt, die zur Bildung der unlöslichen Plaques zwischen den Zellen führt. Andere sehen darin eher eine Folge der Erkrankung. Ein wichtiger, aktueller Ansatzpunkt ist das eigene Reinigungssystem des Gehirns. Obwohl sein Gewebe sehr dicht ist, wird ständig Flüssigkeit ausgetauscht, um Abfallstoffe, die regulär beim Stoffwechsel entstehen, abzutransportieren und anschließend zum Beispiel über die Nasenschleimhaut auszuscheiden. Im Gegensatz zu anderen Organen besitzt das Nervengewebe im Gehirn allerdings keine eigenen Lymphgefäße. Deshalb muss das Abwasser aktiv aus dem Gehirn gepumpt werden. Als Abwasserschleusen dienen die so genannten perivaskulären oder Virchow-Robin Räume. Diese schmalen Räume zwischen einem Blutgefäß und dem eigentlichen Hirngewebe beschäftigen Prof. Ingo Bechmann, Direktor des Instituts für Anatomie an der Medizinischen Fakultät. Probleme entstehen, wenn sich Gefäßwände krankhaft verändern, umgangssprachlich verkalken, und so auch der Reinigungsmechanismus im Gehirn beeinträchtigt wird - eine mögliche Erklärung für die schädlichen Ablagerungen (Plaques) bei der Alzheimerkrankheit. Verschärfend kommt hinzu, dass auch das dichte Netzwerk von Fresszellen, die Mikroglia, im Alter Schaden nehmen kann und somit ein weiterer, wichtiger Reinigungsmechanismus im Gehirn gestört wird.

"Sehr viele Alzheimerfälle fallen dadurch auf, dass sie krankhafte Gefäßveränderungen aufweisen und gleichzeitig die Mikroglia geschädigt ist", sagt Bechmann. Geforscht wird nun, wie Mikroglia geschützt oder sogar durch eine Art Zelltransplantation ausgetauscht werden kann. Eine Plattform ist das internationale Forschungsprojekt ICEMED zu umweltbedingten Stoffwechselerkrankungen im Gehirn, an dem sich Bechmanns Team beteiligt.

Viele Jahre bevor die Alzheimer-Erkrankung ausbricht, lagert sich Beta-Amyloid im Gehirn ab. Das Eiweiß ist giftig für die Nervenzellen und lässt sie absterben. Im Rahmen einer internationalen, von der Leipziger Uniklinik für Nuklearmedizin geleiteten Studie wurde erfolgreich ein Mittel getestet, mit dem Beta-Amyloid nicht-invasiv, also ohne in den Körper einzugreifen, nachgewiesen werden kann. Dafür wird eine schwach radioaktive Substanz in den Arm gespritzt, breitet sich im Gehirn aus und markiert das schädliche Eiweiß. Mittels eines der weltweit ersten kombinierten PET (Positronen-Emissions-Tomografen)/MRT (Magnetresonanztomografie)-Geräts kann das Eiweiß anschließend dreidimensional sichtbar gemacht werden. "Auf diesem Weg könnte die Krankheit in Zukunft bereits sichtbar gemacht werden, bevor Symptome auftreten", blickt Prof. Henryk Barthel in die Zukunft. "Das wäre eine wirkliche Revolution in der Alzheimer-Diagnostik." Die kombinierte PET/MRT-Bildgebung bei Verdacht auf Alzheimer-Erkrankung hat sich an der Uniklinik Leipzig schnell zu einer Standardmethode entwickelt. Sie ist besonders beliebt bei Patienten wie Ärzten, da sich alle wichtigen Bildgebungsbefunde innerhalb von kurzer Zeit und in einer einzigen Sitzung gewinnen lassen.

Alzheimer ist eine besondere Erkrankung, weil sie bereits häufig in der Gesellschaft vorkommt und durch die steigende Lebenserwartung noch zunehmen wird. In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen betroffen. "Die Häufigkeit steigt ab dem 65. Lebensjahr. Um das 90. Lebensjahr haben 40 bis 50 Prozent aller Menschen Alzheimer", erklärte Prof. Hermann-Josef Gertz, stellvertretender Direktor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. "Eine frühe und sichere Diagnostik schafft die Grundlage für unsere Therapien, indem wir die Wirksamkeit besser nachweisen und diese in Zukunft hoffentlich auch wesentlich früher einsetzen können." In den vergangenen zehn Jahren hat es bei der Diagnostik entscheidende Fortschritte gegeben. Die Medikamente zur Behandlung sind dagegen alle in den 1990-er Jahren entwickelt worden und für ein fortgeschrittenes Stadium der Alzheimerkrankheit gedacht. Bahnbrechende Neuerungen hat es auf therapeutischem Gebiet bisher nicht gegeben. Die Folge: Betroffene wissen durch die frühe Diagnostik zwar über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren von ihrer Krankheit, für dieses Stadium gibt es jedoch keine Therapiemöglichkeiten. "Das ist ein echtes Praxisproblem, das sich noch zuspitzen wird", sagte der Demenzforscher.

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Arendt
Telefon: +49 341 97-25721
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Web: www.uni-leipzig.de/~pfi/pfi/de/neuroanatomie/mitarbeiter/mitarbeiter.html

Prof. Dr. Ingo Bechmann
Institut für Anatomie
Telefon: +49 341 97-22000
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Web: www.uni-leipzig.de/~anatomie

Dr. Henryk Barthel
Telefon: +49 341 97-18082
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Web: nuklmed.medizin.uni-leipzig.de

Prof. Dr. Hermann-Josef Gertz
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Web: www.uni-leipzig.de/~alzheim/index1.html

Pressemitteilung des Herzzentrums Leipzig: Therapie bei Herzinfarkt im Fokus einer neuen, europaweiten Studie

tn Herzzentrum LeipzigAm 1. September 2013 startete unter der Leitung von Prof. Dr. Holger Thiele aus der Klinik für Innere Medizin / Kardiologie des Herzzentrums Leipzig, einem Unternehmen der RHÖN-KLINIKUM AG, eine große multizentrische Studie, an der mehr als 60 Einrichtungen aus mindestens zehn europäischen Ländern beteiligt sind. Die Mittel in Höhe von rund 6 Millionen Euro konnte Prof. Thiele bei der Europäischen Union einwerben - ein großer Erfolg für die klinische Spitzenforschung am Herzzentrum Leipzig.

Wie jedes Organ kann auch das Herz an verschiedenen Krankheiten leiden. Eine der massivsten Erkrankungen ist sicher der Herzinfarkt (Myokardinfarkt) mit kardiogenem Schock. In diesem Fall ist das Leben des Betroffenen akut bedroht und auch heute noch stirbt etwa die Hälfte der Patienten daran. Bei einem Herzinfarkt sterben Teile des Herzmuskels auf Grund einer Durchblutungsstörung in einem oder mehreren Herzkranzgefäßen ab. Die Herzkranzgefäße versorgen den Herzmuskel selbst mit dem erforderlichen Sauerstoff und den Nährstoffen. Während bei einem Teil der Patienten der Myokardinfarkt bei früher Behandlung nur geringe Folgen hat, bedeutet der kardiogene Schock, dass die Leistung des Herzens massiv abnimmt. Mit anderen Worten: Das Herz pumpt nicht mehr genug Blut in den Kreislauf.

In diesem Fall sind sofortige medizinische Interventionsmaßnahmen erforderlich, die darin bestehen, die Herzkranzgefäße umgehend wieder durchlässig zu machen. Ziel ist es, die Durchblutung des Herzmuskels im Infarktgebiet schnellstmöglich wieder in Gang zu bringen. Diese Reperfusionstherapie genannte Intervention erfolgt heutzutage mittels einer mechanischen Eröffnung des Gefäßes mit einer Ballondilatation (Aufdehnung) und nachfolgender Stentimplantation ein Verfahren, das auch als primäre PCI bezeichnet wird.

Die nun von Prof. Thiele organisierte CULPRIT-SHOCK-Studie geht der Frage nach, ob es bei einem Verschluss mehrerer Hauptgefäße ausreicht, nur ein Gefäß mit einer Primär-PCI zu öffnen, oder ob sofort alle betroffenen Hauptgefäße eröffnet und mit Stents stabilisiert werden müssen. Studienendpunkte sind die 30-Tage-Sterblichkeit und / oder ein schweres Nierenversagen mit Notwendigkeit des Einsatzes eines Nierenersatzverfahrens wie der Dialyse.

»Die Nieren leiden bei einem Myokardinfarkt mit kardiogenem Schock ohnehin schon recht stark«, erklärt Prof. Thiele. »Bei der Primär-PCI stressen wir die Nieren zusätzlich durch das für die Therapie unbedingt notwendige Kontrastmittel. Je mehr Stents wir setzen müssen, desto mehr Kontrastmittel könnten wir benötigen. Auf der anderen Seite kann durch die Primär-PCI aller Gefäße möglicherweise die Durchblutung des ohnehin schwer geschädigten Herzens noch weiter verbessert werden, was auch wiederum theoretische Vorteile hat.

Welche Therapieform besser ist, wissen wir aktuell noch nicht.« Das Primat habe aber in jedem Fall die adäquate Behandlung des Myokardinfarkts, versichert Prof. Thiele.

Um solche Erkenntnisse zu gewinnen, benötigen die Wissenschaftler eine repräsentative Fallgruppe. Etwa 700 Patienten sollen in die Studie eingeschlossen werden, eine Fallzahl, die auf Grund der zahlreichen Einschluss- und Ausschlusskriterien nur zu erreichen ist, wenn sich viele Einrichtungen an der Studie beteiligen. Prof. Thiele, der im vergangenen Jahr mit der so genannten IABP-SHOCK-II-Studie Aufsehen erregte, konnte eine stattliche Anzahl an Partnern gewinnen. So beteiligen sich neben mehr als 50 Zentren in Deutschland auch renommierte Einrichtungen aus Österreich, der Schweiz, Schweden, Litauen, Frankreich, Großbritannien, Slowenien, Polen und den Niederlanden am Projekt. Auch das Institut für Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Leipzig ist eingebunden. Prof. Dr. Joachim Thiery, Institutsleiter und Dekan der Medizinischen Fakultät würdigt den Erfolg: „Die Leitung eines solch hoch kompetitiven EU Verbundprojektes als Sprecher ist eine ganz besondere Auszeichnung für den Kollegen Holger Thiele und die international anerkannte klinische Spitzenforschung der Kardiologie am Herzzentrum. Ich bin auch sehr froh, dass mein Institut mit einem eigenen Projekt beteiligt ist und so die wissenschaftliche Verbindung zwischen Herzzentrum und der Universitätsmedizin in der Liebigstrasse unterstützt wird."

Prof. Dr. Friedrich W. Mohr, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Leipzig, sieht in der Förderzusage eine weitere Bestätigung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Forschungsaktivitäten am Herzzentrum Leipzig. „Klinische Spitzenleistungen und Spitzenforschung gehen aus meiner Sicht immer Hand in Hand und dieses Prinzip prägt die Arbeit am Herzzentrum Leipzig von Beginn an", so Prof. Mohr, der den Kollegen Kardiologie zu diesem Akquiseerfolg herzlich gratuliert.

»Unser aller und natürlich auch mein persönliches Ziel ist es, die Therapie von Myokardinfarktpatienten mit kardiogenem Schock so zu verbessern, dass sich die Prognose für diese Patienten verbessert«, erklärt Prof. Thiele seine Motivation. Er sei sehr stolz, dass die EU dieses Forschungsprojekt mit der enormen Summe von sechs Millionen Euro fördere, so der Wissenschaftler. Damit gehe auch eine enorme Verantwortung einher.

 


 

 

Über das Herzzentrum Leipzig:
Das Herzzentrum Leipzig bietet mit seinen 420 Betten und 10 tagesklinischen Betten in den drei Kliniken, Klinik für Herzchirurgie, Klinik für Innere Medizin/Kardiologie (inkl. der Abteilung für Rhythmologie) und Klinik für Pädiatrie/Kinderkardiologie sowie den Abteilungen für Anästhesiologie und Radiologie Hochleistungsmedizin rund um das Herz.
Unter der Leitung international erfahrener Ärzte und namhafter Wissenschaftler arbeitet am Herzzentrum Leipzig ein Team von mehr als 1.450 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Seit der Inbetriebnahme im September 1994 besteht mit dem Freistaat Sachsen und der Universität Leipzig ein Kooperations- und Nutzungsvertrag, der dem Haus den Status einer Universitätsklinik verleiht. Das rechtlich und wirtschaftlich selbständige Herzzentrum ist Teil der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Das Herzzentrum Leipzig ist eine 100-prozentige Tochter der RHÖN-KLINIKUM AG, die den unternehmerischen Rahmen dafür geschaffen hat, dass die Klinik erfolgreich wirtschaften und damit einen wesentlichen Teil des Gewinns wieder in hochwertige Medizin und das Wohl der Patienten investieren kann. Auf diese Weise können dauerhaft eine qualitativ hochwertige, bezahlbare Versorgung der Patienten und international erstklassige Leistungen in universitärer Forschung und Lehre sichergestellt werden.

10 Jahre BIO CITY LEIPZIG

festakt biocity weboptimiert 161Bereits im Jahre 2000 entschieden die Stadt und die Universität Leipzig, das Thema Biotechnologie in Leipzig zu entwickeln und zu fördern. Mit der Biotechnologie-Offensive des Freistaates Sachsen konnte das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden. So konnte sich auf der Alten Messe Leipzig bis heute ein Cluster Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie hervorragend entwickeln und zahlreiche Forschungseinrichtungen und Unternehmen sich ansiedeln. Sie entfalten heute eine über die Grenzen des Freistaates Sachsen hinaus wirkende Strahlkraft und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Leipzig unter die Top-Standorte der Biotechnologie in Deutschland aufgestiegen ist.

Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen: „Die BIO CITY ist eine sächsische Erfolgsgeschichte. Auch dank dieses Innovationszentrums hat es Sachsen geschafft, innerhalb von zehn Jahren unter die ersten fünf Biotechnologie-Regionen in Deutschland zu kommen. Mit unserer Biotechnologie-Offensive haben wir eine Menge bewegen können. Die Förderung durch den Freistaat zeigt Wirkung. Sachsen ist heute auf dem besten Weg, ein international renommierter Standort insbesondere im Bereich der Regenerativen Medizin und Biomedizin zu werden."

Zentraler Ausgangspunkt für die Entwicklung dieser Unternehmen ist die BIO CITY LEIPZIG – Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum. Ihrem Konzept ist es zu verdanken, dass Wissenschaftlern und Unternehmern ein Umfeld bereitgestellt wird, das sie in die Lage versetzt, ihre Ideen und Ziele in die Tat umzusetzen. In der BIO CITY LEIPZIG und dem baulich direkt verbundenen Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) finden die Forscher und Unternehmer optimale Bedingungen und Infrastruktureinrichtungen. In dem ebenfalls in der BIO CITY LEIPZIG untergebrachten Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum der Universität Leipzig (BBZ) arbeiten sechs Lehrstühle, die auch anwendungsbezogen forschen. Mit der c-LEcta GmbH ist so auch ein überaus erfolgreiches Spin-off aus der Universität Leipzig hervorgegangen. Unter dem Leitbild „Wirtschaft und Wissenschaft unter einem Dach" steht der Technologietransfer zwischen dem BBZ und jungen Unternehmen am Standort im Fokus. Ziel ist es, die Grundlagen- und Anwendungsforschung nahtlos in die Wertschöpfung und Produktion an einem Standort zu überführen.

Das Zukunftsfeld der Bio- und Lebenswissenschaften wird in Leipzig insbesondere mit Schwerpunkten auf Medizinischer Biotechnologie, Regenerativer Medizin und Zelltherapien, Veterinärmedizin, Umweltforschung, Biomasseforschung und Biodiversität entwickelt. Das Herzstück dieser Entwicklung ist die BIO CITY LEIPZIG, die seit zehn Jahren als Kristallisationskeim für Entrepreneure und Unternehmen erfolgreich aktiv ist. Die Kooperation der Akteure wird dabei durch einen Ausschuss koordiniert, in dem Vertreter des BBZ der Universität Leipzig, der Stadt Leipzig, der LGH Leipziger Gewerbehof GmbH & Co.KG, sowie der BIO-NET LEIPZIG Technologietransfergesellschaft regelmäßig zusammenwirken.

Uwe Albrecht, Bürgermeister für Wirtschaft und Arbeit der Stadt Leipzig: „Gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen, der Universität Leipzig und der städtischen Gewerbehofgesellschaft ist es uns gelungen, in den zurückliegenden zehn Jahren das Projekt BIO CITY LEIPZIG äußerst erfolgreich zu entwickeln und zu betreiben. Insgesamt konnten in dieser Zeit 60 Firmen hier angesiedelt werden. Die Idee von der BIO CITY ist daher voll aufgegangen. Die Firma HAEMA AG ist aufgrund ihres Wachstums in ein eigenes Objekt in unmittelbarer Nähe des BioCity Campus umgezogen. Andere wachstumsstarke Unternehmen wie Vita 34 AG und c-LEcta GmbH sind in den BioCube in direkter Nachbarschaft zur BIO CITY eingezogen – eine auch architektonisch ansprechende Ergänzung der BIO CITY, die von der LGH Leipziger Gewerbehof GmbH & Co.KG in Rekordbauzeit errichtet wurde. Diese Unternehmen tragen mit ihrer Entwicklung dazu bei, dass auf dem Alten Messegelände ein Standort der Gesamtbranche entsteht. Künftig werden die Fortschritte in Medizin und Technik sowie die demografischen Veränderungen zu mehr Wachstum in der Gesundheitswirtschaft führen, so dass die Biotechnologie noch stärker mit den Themen der Medizintechnik sowie Gesundheits- und Pflegediensten hier am Standort verknüpft wird."

Auch die vom Freistaat Sachsen geförderten Verbundforschungsprojekte zwischen dem Fraunhofer IZI und Niederlassungen weltweit operierender Unternehmen haben dazu beigetragen, dass heute Biotechfirmen aus Kanada, Australien, Dänemark, Lettland und Russland in Leipzig aktiv sind. Mit einer durch das Fraunhofer IZI hoch professionell geführten Produktionseinrichtung im Hause können die Mieter auch für eine biopharmazeutische Herstellung auf Expertise und Lösungen vor Ort vertrauen.

Matthias Jähnig, Geschäftsführer der Leipziger Gewerbehof GmbH & Co.KG: „Vor zwölf Jahren war der sich entwickelnde BioCity Campus auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig noch eine Industriebrache. Heute sind dort sowohl die BIO CITY mit ca. 20.000 m² Nutzfläche als auch der BioCube mit ca. 6.400 m2 Nutzfläche am Standort etabliert. Die innenstadtnahe Lage und die guten Infrastrukturen des Standortes sowie die Fördermöglichkeiten des Freistaats Sachsen haben ein Übriges dazu getan, dass sich auch internationale Unternehmen in der BIO CITY LEIPZIG ansiedelten. Gleichzeitig ist es gelungen, drei Unternehmen, die aus der BIO CITY LEIPZIG nach acht Jahren herausgewachsen sind, in unmittelbarer Nähe auf dem Campus mit dem BioCube ein überzeugendes Flächenangebot zu bieten und damit den Standort zu stärken."

Professor Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig: „Das Biotechnologisch-Biomedizinische Zentrum der Universität Leipzig hat in den vergangenen zehn Jahren auch die lebenswissenschaftliche Forschung maßgeblich vorangebracht. Für diesen großen Erfolg stehen exemplarisch im Arbeitskreis Prozesstechnik um Frau Professorin Robitzki die Forschung und Entwicklung neuer chipbasierter Verfahren zur Aufklärung der Alzheimerschen und anderer Erkrankungen wie beispielsweise Krebs, um diese besser therapieren zu können. Neben der angewandten und Grundlagenforschung ist das BBZ als Schnittstelle zur Wirtschaft ein Ort für universitäre Ausgründungen im Bereich Lebenswissenschaften und bietet den Biotechnologieunternehmen Expertenwissen bis hin zu Technologiepartnerschaften." Darüber hinaus hat die Ansiedlung des DFG-Forschungszentrums für Integrative Biodiversität iDiv in der BIO CITY einen neuen Meilenstein in der Weiterentwicklung des exzellenten Forschungsstandortes gesetzt.

Ein positiver Faktor für die Entwicklung der Biotechnologie und Biomedizin in Leipzig ist die Verkehrsinfrastruktur – die trimodale Anbindung über Autobahnen, den ICE-Bahnen und dem Interkontinental-Flughafen Leipzig/Halle, an dem zugleich das Europäische Luftdrehkreuz des Logistik-Unternehmens DHL angesiedelt ist. Damit finden Unternehmen, bei denen Biologistik eine wichtige Rolle spielt, in Leipzig außerordentlich gute Rahmenbedingungen. Darüber hinaus besteht laufend Interesse auch ausländischer Konzerne an Ansiedlungsmöglichkeiten im Cluster, so dass mittel- und langfristig weitere vollständige Wertschöpfungsketten entstehen können.

Zukünftig wird sich der Cluster auch neuen Schwerpunkten widmen. Neben der Medizintechnik steht die industrielle Biotechnologie als Teil der Bioökonomie im Fokus der Entwicklungs- und Ansiedlungsstrategie; mit der c-LEcta GmbH hat sich einer der deutschlandweit renommiertesten Vertreter dieses Segments in Leipzig etabliert.

Auch QIAGEN Leipzig setzt ein starkes Signal für den Standort. Als Kompetenzzentrum für Veterinärdiagnostik von QIAGEN, dem weltweit führenden Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien, werden in der BIO CITY Forschung und Entwicklung, Business Development, Marketing und nun auch Produktion für den Bereich Veterinärmedizin in Leipzig gebündelt.
Professor Dr. Jörg Gabert, General Manager QIAGEN Leipzig: „Wir setzen unser Vertrauen in die BIO CITY, schaffen Arbeitsplätze und entwickeln hier am Standort Leipzig eines der weltweit führenden veterinärmedizinischen Testportfolios. Dafür sind wir im dynamischen Umfeld der BIO CITY bestens aufgehoben."

Als logische Konsequenz der bisherigen Erfolgsgeschichte um die BIO CITY LEIPZIG wird im Rahmen des heute begangenen zehnjährigen Jubiläums das „Leipziger Memorandum Lebenswissenschaften" durch die wichtigsten Akteure des Wirtschafts- und Wissenschaftsraumes Leipzig auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften (Biotechnologie, Biomedizin, Gesundheitswirtschaft) unterzeichnet. Beste Aussichten also, dass im Life-Science-Verbund mit Forschungsinstituten und Unternehmen der Cluster in Leipzig weiter an Stärke und Anziehungskraft gewinnt.

BMBF-Förderung: Zusammenarbeit mit dem kalifornischen CIRM zur Regenerativen Medizin

((Pressemitteilung des BMBF)) Der demografische Wandel und die Verbreitung von Volkskrankheiten werden unsere Gesellschaft zukünftig prägen und das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen stellen. Das Thema Gesundheit ist daher eines von fünf Bedarfsfeldern der HighTech-Strategie der Bundesregierung und wird im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung umfassend adressiert. Das Aktionsfeld Gesundheitswirtschaft im Rahmenprogramm zielt im Kern darauf ab, innovative Diagnoseverfahren und Therapien auf den Gebieten Pharma und Medizintechnik zu entwickeln, um kranken Menschen effektiver zu helfen. Insbesondere im Bereich der Regenerativen Medizin liegt das Potenzial zukünftig vermehrt darin, Ergebnisse aus langjähriger Forschung in die klinische Anwendung zu überführen. Mit dem Ziel diesen Translationsprozess zu beschleunigen, fügt sich die vorliegende Bekanntmachung in den Kontext ein.

1 Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage

1.1 Zuwendungszweck

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert bereits seit Jahren die Forschung und Entwicklung (FuE) für Produkte, Verfahren und Therapien auf dem Zukunftsfeld der Regenerativen Medizin. Die Nutzung der natürlichen, körpereigenen Selbstheilungskräfte verspricht effiziente Therapieansätze, auch bei bislang nur schwer oder gar nicht zu behandelnden Krankheiten. Erste Zelltherapien, z. B. bei der Regeneration von Haut oder Knorpel, befinden sich bereits im klinischen Einsatz und eine wachsende Zahl an zellulären Therapien in der klinischen Erprobung. Dies untermauert das enorme Potenzial des Gebiets.

Das Gebiet steht jedoch in vielen Teilgebieten unverändert vor erheblichen wissenschaftlichen-technischen Herausforderungen, um Wirksamkeit, Sicherheit, und technische wie wirtschaftliche Umsetzbarkeit von Produktideen sicherzustellen.

Ziel dieser Maßnahme ist daher der Transfer vielversprechender Produktideen aus dem Bereich der angewandten Forschung in die klinische Anwendung unter Berücksichtigung dieser Herausforderungen. Hierzu bedarf es sowohl der Forschung, Entwicklung und Validierung von innovativen zelltherapeutischen Ansätzen als auch an innovativen Methoden und Verfahren im Umfeld der Regenerationstechnologien. Mit Blick auf einen Einsatz in der Klinik sind zudem geschlossene Prozess- und Wertschöpfungsketten ebenso wichtig wie ein nachvollziehbares Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsszenario.

Die Komplexität dieser Aufgabe und deren multidisziplinärer Charakter legt über die nationale Förderung hinaus die internationale Zusammenarbeit mit den jeweiligen weltweit führenden Experten nahe. Dies ist ein erklärtes Ziel der Internationalisierungsstrategie des BMBF und bildet die Basis für diese Förderrichtlinie.

Seit Oktober 2009 existiert ein Memorandum of Understanding mit dem California Institute for Regenerative Medicine (CIRM), das die Teilnahme deutscher Partner an Ausschreibungen des CIRM im Rahmen amerikanisch-deutscher Kooperationen ermöglicht.

Auf der Basis dieser Bekanntmachung wird der deutsche Beitrag solcher Kooperationen gefördert.

1.2 Rechtsgrundlage

Vorhaben können nach Maßgabe dieser Richtlinien, der BMBF-Standardrichtlinien für Zuwendungen auf Ausgaben- bzw. Kostenbasis und der Verwaltungsvorschriften zu den §§ 23, 44 der Bundeshaushaltsordnung (BHO) durch Zuwendungen gefördert werden. Ein Rechtsanspruch auf Gewährung einer Zuwendung besteht nicht. Der Zuwendungsgeber entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.

Diese Förderrichtlinien gelten in Verbindung mit dem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung, siehe http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/Gesundheitsforschungsprogramm.pdf. Zuwendungen an wirtschaftlich tätige Antragsteller sind in der Regel staatliche Beihilfen im Sinne von Artikel 107 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV). Sie werden in diesem Fall als Einzelbeihilfen nach Artikel 3 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 800/2008 der Kommission vom 6. August 2008 zur Erklärung der Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Gemeinsamen Markt in Anwendung der Artikel 87 und 88 EG-Vertrag (allgemeine Gruppen­freistellungsverordnung - AGVO) (ABl. L 214 vom 9.8.2008, S. 3) gewährt und unterliegen den Beschränkungen nach Artikel 31 AGVO. Dadurch sind sie im Sinne von Artikel 107 Absatz 3 AEUV mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar und von der Anmeldepflicht nach Artikel 108 Absatz 3 AEUV freigestellt.

2 Gegenstand der Förderung

Gefördert werden grundsätzlich industrieorientierte, vorwettbewerbliche Verbundprojekte die sich im Rahmen der Ausschreibungen des CIRM mit Partnern in den Vereinigten Staaten zu effizienten und flexiblen Kooperationen zusammenschließen. Eine Beteiligung akademischer Partner ist darüber hinaus ausdrücklich erwünscht. Förderfähig im Rahmen dieser Bekanntmachung sind grundlegende, anwendungsorientierte Forschungsarbeiten des vorwettbewerblichen Bereichs, die durch ein hohes wissenschaftlich-technisches Risiko gekennzeichnet sind.

Die wissenschaftlichen Grundlagen müssen hierbei bereits gesichert sein. Ausgehend von einem wissenschaftlichen oder technischen Funktionsnachweis können daher FuE-Projekte bis hin zur ersten klinischen Erprobung bzw. dem Nachweis der technischen Umsetzbarkeit in einem Produktionsumfeld gefördert werden. Diese FuE-Projekte können hierbei grundsätzlich auf die derzeit üblichen CIRM- Forschungsinitiativen Early Translational, Disease Team oder Tools and Technologies abzielen.

Das Ziel der Zusammenarbeit ist es, Produkt- und Prozessinnovationen für die Regenerative Medizin weiter zu entwickeln, zu validieren und dadurch das therapeutische Potenzial vermehrt auszuschöpfen. Die Maßnahme zielt auf eine anteilige wirtschaftliche Verwertung am Standort Deutschland ab. Auf eine nachvollziehbare Strategie zur standort­reziproken Verwertung ist daher ein besonderes Augenmerk zu legen. Zu diesem Zweck ist im Rahmen der Kooperation auf ein hinreichend ausgeglichenes Verhältnis der Forschungsbeiträge der deutschen und amerikanischen Partner zu achten.

Informationen über konkrete Beteiligungen des BMBF an Ausschreibungen des CIRM sowie detaillierte Hinweise zur Einrichtung von Projektskizzen werden über die Internetseiten des BMBF mit geeigneter Vorlaufzeit zur Verfügung gestellt.

Synergien zu bereits geförderten Forschungsvorhaben im nationalen Rahmen sind erwünscht und sollten gegebenenfalls in den Projektskizzen dargestellt werden, stellen aber keine notwendige Voraussetzung für die Förderung eines Vorhabens dar.

3 Zuwendungsempfänger

Antragsberechtigt sind Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft (mit Sitz und Ergebnisverwertung in Deutschland), Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie forschende Kliniken. Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen können durch FuE-Aufträge von Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in die Verbundprojekte eingebunden werden.

Forschungseinrichtungen, die gemeinsam von Bund und Ländern grundfinanziert werden, kann nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Projektförderung für ihren zusätzlichen Aufwand bewilligt werden.

Die Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen ist ausdrücklich erwünscht und wird bei der Projektbegutachtung berücksichtigt.

4 Zuwendungsvoraussetzungen

Die Förderung zielt von deutscher Seite auf Verbundprojekte der FuE unter maßgeblicher Industriebeteiligung. In gemeinsamen Verbundprojekten muss mindestens einer der deutschen Partner ein deutsches Unternehmen sein, das ein klares Konzept für eine spätere standortbezogene Verwertung seiner Ergebnisse vorlegt.

Mit Blick auf die spätere Zulassung eines zellbasierten Therapeutikums bzw. eines therapeutischen Verfahrens müssen bei der Planung des Vorhabens die einschlägigen rechtlichen Vorgaben beachtet werden, u. a.:

  • Bei präklinischen Untersuchungen sind für die Erstellung von Zulassungsunterlagen die GLP-Richtlinien zu berücksichtigen.
  • Bei der Durchführung von Untersuchungen am Menschen und/oder der Gewinnung bzw. Verwendung von menschlichem Probenmaterial sind die Empfehlungen der Deklaration von Helsinki sowie die Richtlinien des CIOMS (Council for International Organization of Medical Sciences), der WHO (World Health Organization): "Proposed International Guidelines For Biomedical Research Involving Human Subjects" und der ICH (International Conference on Harmonisation): "GCP" (Guideline for Good Clinical Practise - ICH Harmonised Tripartite Guideline) in den jeweils geltenden Fassungen einzuhalten.
  • Falls die Förderung einer klinischen Studie beantragt wird, sind bei Einreichung der Vorhabensbeschreibung (Synopse eines Studienprotokolls) eine entsprechende GMP-Herstellungserlaubnis sowie die Genehmigung der klinischen Prüfung durch die zuständige Behörde vorzulegen. Im Hinblick auf die Förderung klinischer Studien werden die durch internationale Standards (siehe oben u. a. Deklaration von Helsinki, ICH-Leitlinie zur Guten Klinischen Praxis, EU-Richtlinie 2001/20/EG) vorgegebenen Maßstäbe zugrunde gelegt.
  • Bei Arbeiten mit Stammzellen sind die Vorschriften des Embryonenschutzgesetzes und des Stammzellgesetzes einzuhalten.

Die Partner eines Verbundprojekts haben ihre Zusammenarbeit in einer Kooperationsvereinbarung zu regeln. Einzelheiten können einem BMBF-Merkblatt - Vordruck 0110/10.08 - (https://foerderportal.bund.de/easy/module/easy_formulare/download.php?datei=219) entnommen werden.

5 Art und Umfang, Höhe der Zuwendung

Die Zuwendungen können im Wege der Projektförderung als nicht rückzahlbare Zuschüsse gewährt werden.

Bemessungsgrundlage für Zuwendungen an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Kosten, die in der Regel - je nach Anwendungsnähe des Vorhabens - bis zu 50 % anteilfinanziert werden können. Nach BMBF-Grundsätzen wird eine angemessene Eigenbeteiligung - grundsätzlich mindestens 50 % der entstehenden zuwendungsfähigen Kosten - vorausgesetzt.

Bemessungsgrundlage für Hochschulen, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen und vergleichbare Institutionen sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben (bei Helmholtz-Zentren und der Fraunhofer-Gesellschaft - FhG -die zuwendungsfähigen projektbezogenen Kosten), die individuell bis zu 100 % gefördert werden können.

Die Bemessung der jeweiligen Förderquote muss den Gemeinschaftsrahmen der EU-Kommission für staatliche FuE-Beihilfen berücksichtigen. Dieser Gemeinschaftsrahmen lässt für Verbundprojekte von Antragstellern von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine differenzierte Bonusregelung zu, die gegebenenfalls zu einer höheren Förderquote führen kann. Es kommt hierbei die KMU-Definition der EU-Kommission zur Anwendung: (http://ec.europa.eu/enter­prise/policies/sme/facts-figures-analysis/sme-definition/index_en.htm).

Für deutsche Partner in einem Konsortium wird erwartet, dass sich Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft ent­sprechend ihrer Leistungsfähigkeit an den Aufwendungen der Hochschulen und öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen beteiligen, sofern letztere als Verbundpartner mitwirken. Als angemessen gilt in der Regel, wenn eine Verbundförderquote über die deutschen Partner von maximal 65 % eingehalten wird. Gegebenenfalls zu gewährende Boni für KMU können auf diese Verbundförderquote angerechnet werden.

6 Sonstige Zuwendungsbestimmungen

Bestandteil eines Zuwendungsbescheids auf Kostenbasis werden grundsätzlich die Allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen auf Kostenbasis des BMBF an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft für FuE-Vorhaben (NKBF98).

Bestandteil eines Zuwendungsbescheids auf Ausgabenbasis werden die Allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung (ANBest-P) und die Besonderen Nebenbestimmungen für Zuwendungen des BMBF zur Projektförderung auf Ausgabenbasis (BNBest-BMBF98).

7 Verfahren

7.1 Einschaltung eines Projektträgers und Anforderung von Unterlagen

Mit der Abwicklung der Fördermaßnahme zur "Förderung Bilateraler Verbundprojekte mit den Vereinigten Staaten von Amerika und deren Bundesstaaten zur Entwicklung und Validierung von Methoden und Verfahren für die Regenerative Medizin" hat das BMBF seinen Projektträger Gesundheitswirtschaft, Bereiche Medizintechnik und Regenerative Medizin:

VDI Technologiezentrum GmbH
Johannisstraße 5 - 6
10117 Berlin

beauftragt. Dort sind weitere Informationen, wie beispielsweise auch die jeweils aktuellen Rahmenbedingungen für die gemeinsamen Förderrunden, erhältlich. Ansprechpartner ist

Simon Brassel

Telefon: 0 30/2 75 95 06-43
Telefax: 0 30/2 75 95 06-59
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!" hreflang="de">Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

7.2 Vorlage formgebundener Anträge und Entscheidungsverfahren

Das Verfahren zur Entscheidung über die eingereichten bilateralen Förderanträge im Rahmen amerikanischer Ausschreibungen ist in dem zugrunde liegenden Abkommen geregelt. Das Förderverfahren ist zweistufig.

In der ersten Stufe ist zunächst dem Projektträger eine Projektskizze (pre-application) vorzulegen, die klar abgegrenzt die deutschen wie US-amerikanischen Forschungsbeiträge umfasst. Die Vorlagefristen werden für jede Beteiligung des BMBF an einer Ausschreibung des CIRM erneut kommuniziert. Die Vorlagefrist gilt nicht als Ausschlussfrist. Verspätet eingehende Projektskizzen können aber möglicherweise nicht mehr berücksichtigt werden. Aus der Vorlage einer Projektskizze kann ein Rechtsanspruch nicht abgeleitet werden. Die Verbundpartner reichen, vertreten durch den Koordinator, eine gemeinsame, begutachtungsfähige Projektskizze im Umfang von maximal 15 DIN-A4-Seiten (inkl. Anlagen, Schriftgrad 12) beim Projektträger ein. Diese kann in englischer Sprache verfasst sein. Die Projektskizze orientiert sich in Ihrer Darstellung an den Forderungen des CIRM in der jeweils gültigen Fassung und sollte folgende beispielhafte Gliederung vorsehen:

Deckblatt mit Angaben zum Verbundkoordinator (in deutscher Sprache)

  • Tabelle "Adressen und Ansprechpartner der Verbundpartner"
  • Tabelle "Überschlägige Abschätzung von Gesamtkosten und Förderbedarf, einzeln nach Verbundpartner"

0 Zusammenfassung des Projektvorschlags (in deutscher Sprache)
 (maximal eine Seite: Ziele, Lösungsweg, Verwertung der Ergebnisse)

1 Specific Aims of Proposed Research

  • Describe concisely the specific objective(s) of the proposed research

2 Preliminary Results

  • Summarize concisely your preliminary results and published findings that support the proposed study.
  • Existing Intellectual Property (own and third party's filings)
  • Role of each partner within the collaboration

3 Experimental Approach and Design

  • Describe concisely the experimental approaches proposed for accomplishing the project goals within 3 years. Highlight novelty or creative use of approaches and methods.

4 Significance of Proposed Research

  • Describe the importance of the proposed research for stem cell biology. Identify the specific translational bottleneck to be addressed and, most importantly, describe how proposed tool or technology will overcome the bottleneck and significantly advance the field.
  • Describe concisely the scientific exploitation plan
  • Describe concisely the economic exploitation plan of each partner. Highlight the impact of the project results on healthcare.
  • Estimate the market potential of the innovation if the project is successful.

5 Necessity of Funding

  • Describe why public funding is necessary for each partner.

Es steht den Antragstellern frei, weitere Punkte anzufügen, die ihrer Auffassung nach für eine Beurteilung ihres Vorschlags von Bedeutung sind. Eine förmliche Kooperationsvereinbarung ist für die erste Phase (Projektskizze) noch nicht erforderlich, jedoch sollten die Partner die Voraussetzungen dafür schaffen, bei Aufforderung zur förmlichen Antragstellung (2. Phase, siehe unten) eine förmliche Kooperationsvereinbarung zeitnah zum Projektbeginn (siehe Nummer 4) treffen zu können. Verbundpartner, deren Vorhaben von Industriepartnern mitfinanziert werden, müssen die Höhe der vorgesehenen Drittmittel angeben.

Die eingegangenen Projektskizzen werden nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Innovationshöhe des wissenschaftlich-technischen Konzepts
  • Bedeutung des Forschungsziels: gesellschaftlicher und versorgungsseitiger Bedarf, Produktrelevanz, Relevanz für die Gesundheitswirtschaft
  • fachlicher Bezug zur Förderbekanntmachung
  • wissenschaftlich-technische Qualität des Lösungsansatzes und der Arbeitsplanung
  • technologisches und wirtschaftliches Potenzial
  • Qualifikation der Partner, Kompetenzen der Partner im Innovationsmanagement
  • Qualität des Projektmanagements und der Verbundstruktur, substanzielle Beteiligung von technischen Entwicklern und Anwendern der Gesundheitsversorgung
  • Qualität und Umsetzbarkeit des Verwertungsplans, Marktpotenzial, Vermarktungsstrategie
  • Beitrag des Projekts zur zukünftigen Positionierung des Unternehmens am Markt
  • Abschätzung der mit den wissenschaftlich-technischen Innovationen verbundenen sozioökonomischen und wirtschaftlichen Chancen und Risiken
  • gegebenenfalls Qualität und Umsetzbarkeit der klinischen Studie

Das BMBF und der Projektträger behalten sich vor, sich bei der Bewertung der vorgelegten Projektskizzen durch eine unabhängige Expertenrunde beraten zu lassen. Auf der Grundlage der Bewertung werden die für eine Förderung vorgesehenen Verbundprojekte ausgewählt. Das Ergebnis der Auswahlrunde wird dem Verbundkoordinator durch den Projektträger mitgeteilt. Die Partner eines Verbundprojekts werden über den Koordinator informiert.

Im Falle eines positiven Ergebnisses der Skizzenprüfung auf deutscher wie US-amerikanischer Seite wird der Verbund in einer zweiten Stufe zur Einreichung eines Vollantrags (full application) beim CIRM aufgefordert.

Erst nach einer positiven gutachterlichen Entscheidung über den Vollantrag kann das nationale Bewilligungsverfahren erfolgen.

Adressaten positiv bewerteter Projektvorschläge werden hiernach aufgefordert, den formgebundenen, rechtsverbindlich unterzeichneten Förderantrag vorzulegen.

Für die Bewilligung, Auszahlung und Abrechnung der Zuwendung sowie für den Nachweis und die Prüfung der Verwendung und die gegebenenfalls erforderliche Aufhebung des Zuwendungsbescheids und die Rückforderung der gewährten Zuwendung gelten die Verwaltungsvorschriften zu die § 44 BHO sowie die §§ 48 bis 49a des Verwaltungsverfahrensgesetzes, soweit nicht in diesen Förderrichtlinien Abweichungen zugelassen sind.

8 Inkrafttreten

Diese Förderrichtlinien treten am Tag der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Berlin, den 15. August 2013

Bundesministerium für Bildung und Forschung
Im Auftrag
de Wit

Nationaler Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen im Kabinett

28.08.2013 [Pressemitteilung 100/2013] des BMBF

BMBF logoDas Bundeskabinett hat sich heute mit dem Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen befasst. Nach der Kabinettssitzung haben Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium Dr. Helge Braun und der Vorsitzende der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) e.V. Christoph Nachtigäller den Nationalen Aktionsplan der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Nationale Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen umfasst insgesamt 52 Maßnahmen, mit denen die drängendsten Probleme der Betroffenen und ihrer Angehörigen angegangen werden sollen. Ziel ist es, Ärzte und Patienten besser zu informieren, damit die betroffenen Menschen schneller zu einer verlässlichen Diagnose kommen. Die medizinischen Versorgungsstrukturen werden ausgebaut und Kompetenzen gebündelt. Außerdem wird die Forschung im Bereich der Seltenen Erkrankungen verbessert.

"Dem Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) ist es gelungen, Lösungen für die vordringlichsten Probleme von fast 4 Millionen betroffenen Menschen allein hier in Deutschland vorzuschlagen. Weil diese Krankheiten sehr selten sind, müssen wir die vorhandenen Kompetenzen ausbauen und in Zentren und Netzwerken bündeln. Dadurch erreichen wir, dass Patientinnen und Patienten schneller diagnostiziert werden können und dann die notwendige Versorgung erhalten. Gerade Menschen mit Seltenen Erkrankungen haben oft eine Odyssee durchs Gesundheitssystem hinter sich. Mit dem Aktionsplan werden nun konkrete Maßnahmen ergriffen, um diesen Menschen eine bessere Versorgung zu bieten", so Bundesgesundheitsminister Bahr.

"Ein wichtiger Schlüssel, um die Ziele des Nationalen Aktionsplans erreichen zu können, liegt in Forschung und Entwicklung", betonte der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Braun. "Forscher konnten bereits mehr als 70 krankheitsverursachende Gene identifizieren und damit Voraussetzung für genauere Diagnosen und neue Therapieansätze schaffen. Dennoch ist das Wissen zu vielen dieser Seltenen Erkrankungen bisher unvollständig und es bleibt viel zu tun."

"ACHSE begrüßt als Stimme der Betroffenen, dass es mit dem Nationalen Aktionsplan gelungen ist, die Anliegen der Patientinnen und Patienten in den Fokus zu rücken und bedarfsorientierte Lösungen zu fin-den. Bei Seltenen Erkrankungen liegt eine große Expertise bei den Betroffenen, die aus der Not heraus Informationen und Erfahrungswissen sammeln und Netzwerke, auch grenzüberschreitend bilden. Diese Expertise ist Teil des Nationalplans geworden." unterstreicht Christoph Nachtigäller, Vorsitzender der ACHSE.

Der Aktionsplan ist ein Ergebnis der Arbeit des NAMSE, die seit drei Jahren durch eine von BMG finanzierte Geschäftsstelle unterstützt wird. Eine weitere Förderung in Höhe von rund 5 Mio. Euro bis Ende 2015 ist vorgesehen. Daher wird die NAMSE-Geschäftsstelle alle Bündnispartner auch weiterhin bei der Umsetzung ihrer Maßnahmen unterstützen können.

Das BMG fördert u.a. ein Informationsportal für die Betroffenen, die Angehörigen sowie die Versorgenden. Ferner soll die Versorgung durch Zentrenbildung und Netzwerke - in Deutschland und in Europa - optimiert werden. So soll zum Beispiel auch ein "Atlas Seltene Erkrankungen" entstehen, der als interaktive Landkarte einen Überblick über die Versorgungslandschaft in Deutschland geben wird. Ziel eines weiteren Vorhabens ist es, die vielen verschiedenen Seltenen Erkrankungen durch Kodierung eindeutig zu erfassen.

Für nationale und europäische Forschungskooperationen stellt das BMBF für zukünftige Aktivitäten Pro-jektfördermittel in Höhe von bis zu 27 Mio. Euro bis 2018 bereit, um Krankheitsmechanismen aufzuklären, genetische Ursachen zu erforschen und neue diagnostische und therapeutische Verfahren zu entwickeln. Ebenfalls forschen die "Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung" an Seltenen Erkrankungen.

Die ACHSE und ihre Mitgliedsorganisationen werden die patientenorientierte Umsetzung der Maßnahmen unterstützen und begleiten, insbesondere in der Entwicklung von Qualitätsstandards in der Versorgung, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten entsprechen.
 
Mit dem Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen setzt Deutschland die Empfehlung des Rates der Europäischen Union für europäisches Handeln im Bereich der Seltenen Krankheiten aus dem Jahr 2009 um.


Weitere Informationen finden Sie unter:

www.namse.de
www.bmg.de
http://www.bmbf.de/de/1109.php
www.achse-online.de