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Der heiße Tee und die kleine Mira

Jährlich 150 Kinder mit thermischen Verletzungen in der Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig


Die Mutter hat nur einen Moment nicht aufgepasst: Sie hatte ihren frisch gebrühten Tee auf
den Küchentisch gestellt und dann die kleine Mira auf den Hochstuhl gesetzt. Noch ehe die
Beine des sieben Monate alten Babys im Hochstuhl sortiert waren, griff Mira zur
interessanten Teetasse und kippte sich die heiße Flüssigkeit über Brust und Bauch.


"Der heiße Tee und der Wasserkocher - das sind häufige Ursachen für thermische
Verletzungen", so Prof. Dr. Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für
Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig, mit Blick auf den Tag des brandverletzten
Kindes am 7. Dezember. Zwei spezielle Betten für Kinder mit schwersten derartigen
Verletzungen werden in der Kinder-Intensivstation vorgehalten. Und wie sich immer wieder
zeigt: aus gutem Grund. In die Ambulanz der Klinik kommen jährlich rund 150 kleine
Patienten mit thermischen Verletzungen. 40 davon werden stationär aufgenommen,
wiederum 20 davon -- müssen auf die Intensivstation.


"Mit dem Begriff thermische Verletzungen fassen wir die Folgen zusammen, die einerseits
durch Feuer, elektrischen Strom und andererseits durch heiße Flüssigkeiten entstehen",
erläutert Dr. Roland Böhm, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am
Universitätsklinikum Leipzig. Zusammen mit Oberärztin Dr. Margit Weißer leitet er den
Bereich der Klinik, der sich den derart verletzten Kindern widmet, also die Versorgung der
thermischen Verletzungen und nicht selten dann auch nötige plastische Operationen
übernimmt. Wie er erzählt, waren in den vergangenen Jahren glücklicherweise die
sogenannten Grillverletzungen rückläufig. Die Zahl der Verbrühungen mit heißen
Flüssigkeiten - neben Wasserkocher und Tee auch oft durch die Schüssel zur
Inhalationstherapie - ist aber unverändert. Im Durchschnitt betrifft das Ausmaß der
Verletzungen zehn Prozent der Körperfläche.


Gesicht und Brustkorb, Genitalien und Oberschenkel - das sind die am häufigsten betroffenen
Körperteile. Bei der Behandlung wird mit modernsten Methoden versucht, eine unschöne
Narbenbildung zu vermeiden. "Wir haben dafür auch eine Spezialambulanz, die sich vor
allem der Vermeidung einer überschießenden Narbenbildung widmet", sagt Klinikdirektor
Prof. Lacher. Die kleinen Patienten erhalten hier beispielsweise eine spezielle
Kompressionsbekleidung, deren Druck dazu beitragen soll, eine Narbenbildung zu
minimieren. Zudem wird per Lasertherapie und mit plastischen Operationen gearbeitet, um
besonders an den ästhetisch relevanten Körperstellen optimale Ergebnisse zu erreichen aber
auch um die Funktion bei gelenkübergreifenden Narben zu erhalten. "Ich möchte aber
deutlich sagen", so Oberarzt Dr. Böhm, "dass immer die Stärke der thermischen Verletzung
die Entwicklung des Narbengewebes beeinflusst. Ab einem bestimmten Ausmaß sind leider
auch unsere medizinischen Möglichkeiten limitiert."


Eng zusammen arbeiten die Mediziner der Klinik zudem mit dem Verein "Paulinchen -
Initiative für brandverletzte Kinder". Diese bundesweit agierende Selbsthilfegruppe von Eltern
mit brandverletzten Kindern widmet sich der Vorbeugung und Aufklärung, wie mit der
Kampagne "Sicher grillen ohne Spiritus", und zugleich der praktischen Hilfe für Betroffene,
wie der Auflistung von Spezialkliniken - zu denen auch die Kinderchirurgie des
Universitätsklinikums gehört.
Die kleine Mira indes hatte Glück im Unglück, weil die Verbrühungen nicht so stark waren.
Durch ihre Windel wurden die Genitalien geschützt. Zudem hat die Mutter sofort entschlossen
und richtig gehandelt. Sie entkleidete ihr Baby und kühlte die Verletzungen mit kaltem
Wasser. Per Notarzt waren beide nur Minuten nach dem Teetassen-Unfall in der
Notaufnahme der Uni-Kinderklinik, die Experten der Kinderchirurgie legten einen speziellen
Wundverband an. Schon nach fünf Tage konnten beide die Klinik verlassen. Das Baby mit
einem frischen Spezial-Wundverband für die Zeit zu Hause und die Mutter mit einem
glücklichen Lächeln: "Die Ärzte hier haben wirklich eine Superarbeit gemacht."

Universitätsklinikum Leipzig

Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) blickt gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät als
zweitältester deutscher Universitätsmedizin auf eine reiche Tradition zurück. Heute verfügt
das Klinikum mit 1450 Betten über eine der modernsten baulichen und technischen
Infrastrukturen in Europa. Zusammen mit der Medizinischen Fakultät ist es mit über 6000
Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt Leipzig und der Region. Jährlich
werden hier über 350.000 stationäre und ambulante Patienten auf höchstem medizinischen
Niveau behandelt. Diese profitieren von der innovativen Forschungskraft der Wissenschaftler,
indem hier neueste Erkenntnisse aus der Medizinforschung schnell und gesichert in die
medizinische Praxis überführt werden.

((Pressemitteilung)) UKL Leipzig, 2. Dezember 2015